SCHWERIN. Die Stadtwerke Schwerin haben zum 1. Februar 2026 ihre Strompreise um rund sechs Prozent gesenkt. Das gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt, die auf der Webseite der Stadtwerke unter der Rubrik „Gute Nachrichten“ veröffentlicht wurde. Die Entlastung beträgt laut eigener Aussage im Schnitt „rund sechs Prozent“ und sei „tarifabhängig“. Schweriner Musterhaushalte sollen demnach im Jahr zwischen 40 und 55 Euro sparen.
Damit gehört Schwerin zu den günstigsten Energieversorgungsstandorten Norddeutschlands — was angesichts der Tatsache, dass hier seit Jahren niemand mehr hinzieht, Experten zufolge wirtschaftlich gesehen nicht überraschend ist.
Die Frage, die sich alle stellen: Wie viel ist das wirklich?
Auf Nachfrage erstellte Klaus-Rüdiger Sattler, selbst ernannter Freizeitökonom und Dauerkarteninhaber des Schweriner Staatstheaters, eine Gegenrechnung: Bei einer durchschnittlichen Jahresersparnis von 48 Euro entspreche das exakt 4,00 Euro pro Monat. Ein Einzelticket mit dem Regionalexpress von Schwerin nach Hamburg koste derzeit 29,90 Euro — eine Strecke. „Ich kann mir damit alle 7,5 Monate einmal nach Hamburg fahren“, erklärte Sattler. „Zurückkommen muss ich dann aber mit dem Fahrrad. Oder ich bleibe einfach da.“
„Wir sparen vier Euro im Monat. Das ist mehr als nichts, aber weniger als ein Döner.“
Klaus-Rüdiger Sattler, Freizeitökonom, Pfaffenteich
Die Stadtwerke wiesen darauf hin, dass die Ersparnis „je nach persönlichem Verbrauch“ variiere und baten darum, „positiv über die Maßnahme zu berichten“. Das Stadtmarketing Schwerin übernahm die Botschaft umgehend und ergänzte sie um einen neuen Slogan-Vorschlag für die laufende Imagekampagne: „Schwerin — wo Strom günstiger wird, damit das Leben hier erschwinglich bleibt.“ Der Slogan soll angeblich noch geprüft werden.
Hamburg plant derweil die Erweiterung der Elbphilharmonie
Während Schweriner Haushalte also ab sofort monatlich vier Euro sparen, gab Hamburg bekannt, die Konzertsaison um zwei zusätzliche Spielstätten zu erweitern. In Berlin eröffneten im selben Monat drei neue Kulturzentren, ein Co-Working-Space für 800 Personen und ein Club, dessen Schallschutzmaßnahmen mehr kosten als Schwerins gesamter Kulturetat für die freie Szene im Jahr 2025. Die Schweriner, die täglich nach Hamburg pendeln, dürften von der Ersparnis besonders profitieren: Auf die monatliche Bahnkarte gerechnet, ergibt sich eine theoretische Entlastung von rund 1,3 Prozent der Ticketkosten.
In Schwerin reagierte die Stadtvertretung auf die Strompreissenkung mit einer interfraktionellen Arbeitsgruppe, die prüfen soll, „wie die Bürgerinnen und Bürger optimal über die Entlastung informiert werden können“. Ergebnis erwartet: Herbst 2026. Wer bis dahin nicht mehr in Schwerin lebt, verpasst den Flyer möglicherweise.
Insgesamt, so die einhellige Einschätzung der Schweriner Finanzbehörde, ist die Senkung „ein Schritt in die richtige Richtung“. Wohin diese Richtung führt, ließ die Behörde offen.
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