Schwerin. In einem bemerkenswerten Akt bürgerschaftlichen Engagements hat Schwerins Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU) eine Crowdfunding-Kampagne für einen maroden Spielplatz in Lankow gestartet. Der Mann, der seit Jahren in der Stadtvertretung sitzt und theoretisch Einfluss auf kommunale Haushalte nehmen könnte, setzt stattdessen auf die bewährte Methode „Bürger sammeln Geld für Dinge, die eigentlich die Stadt bezahlen sollte“.
„Für diesen Standort sind derzeit keine städtischen Mittel vorgesehen“, erklärt Ehlers auf der Spendenplattform GoFundMe Ähnlich wie bei Nach Luxus-Ausflug nach Potsdam: Schwerins legendäres Einhorn kehrt zurück – und zieht wieder mehr Besucher als der Zoo. Was er nicht erklärt: Wer eigentlich darüber entscheidet, wofür städtische Mittel vorgesehen sind. Spoiler: unter anderem die Stadtvertretung, deren Präsident er ist.
9.000 Euro Spendenziel
Die Kampagne läuft gut Ähnlich wie bei Schweriner Optimismus – Eine bedrohte Art. Über 2.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Dass der Spendenaufruf rein zufällig wenige Wochen vor der Oberbürgermeisterwahl am 12. April startet, für die Ehlers kandidiert, ist selbstverständlich purer Zufall. Ebenso zufällig teilt Holger Herrmann, Geschäftsführer der Werbeagentur Maxpress, den Spendenaufruf auf Facebook. Maxpress ist nach unseren Informationen Ehlers‘ Wahlkampfagentur. Aber das ist natürlich auch Zufall.
Experten begeistert
Politikbeobachter zeigen sich beeindruckt von der innovativen Strategie Ähnlich wie bei Schwerin sammelt Spenden für Spielplatz, der gar nicht kaputt ist. „Früher haben Politiker versucht, im Amt etwas zu erreichen. Heute starten sie Crowdfunding-Kampagnen und lassen sich dafür feiern, dass sie auf Probleme hinweisen, die sie selbst hätten lösen können“, so ein nicht genannter Experte für kommunale Selbstironie.
Der Spielplatz in der Kieler Straße war nach einem Bürgerentscheid zum Erhalt freigegeben worden. Dass danach niemand Geld für die Sanierung eingeplant hat, lag vermutlich daran, dass alle Beteiligten zu beschäftigt waren, sich gegenseitig zu gratulieren.
Ehlers: „Gemeinsam schaffen wir das“
„Wenn viele mitmachen, können wir gemeinsam dafür sorgen, dass hier ein sicherer und lebendiger Ort für Kinder und Familien neu entsteht“, schreibt Ehlers. Was er nicht schreibt: Dass „gemeinsam“ in diesem Fall bedeutet, dass die Bürger zahlen, während der Stadtpräsident das Foto-Finish macht.
Die Spenden gehen an den Verein „Schweriner Ortsbeiräte und Präventionsräte e.V.“ – nicht zu verwechseln mit dem städtischen Haushalt, wo das Geld eigentlich herkommen sollte.
Bis Redaktionsschluss hatte die Kampagne 25 Prozent ihres Ziels erreicht. Sebastian Ehlers‘ Umfragewerte wurden nicht erhoben, sind aber vermutlich auch bei etwa 25 Prozent.
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