Politik

Stadt sucht per Ausschreibungsmarathon jemanden, der Kindern zuhört

Gute Nachrichten aus der Landeshauptstadt: An der Astrid-Lindgren-Grundschule in der Tallinner Straße soll ab dem 1. Mai 2026 ein Schulsozialarbeiter Kindern zuhören, sie unterstützen und für sie da sein. Klingt einfach? Ist es nicht. Denn wir sind in Schwerin – und hier geht nichts ohne mindestens sechs Verwaltungsakte.

Ein Mensch, eine Schule, ein Dutzend Hürden

Damit ein einzelner Mensch an einer einzelnen Grundschule maximal 35 Stunden pro Woche mit Kindern arbeiten darf, hat die Stadt Schwerin ein sogenanntes „Interessenbekundungsverfahren“ gestartet. Gesucht wird ein freier Träger der Jugendhilfe, der zunächst seine Anerkennung nach SGB VIII nachweisen muss. Dann wird sein pädagogisches Konzept bewertet. Dann die Wirtschaftlichkeit. Finanziert wird das Ganze über den Europäischen Sozialfonds. Bis der erste Sechsjährige „Mein Hamster ist gestorben“ sagen kann, haben geschätzt 47 Menschen in 12 Behörden 340 Seiten Papier produziert.

„Das Interessenbekundungsverfahren ist ein bewährtes Instrument der kommunalen Verwaltung“, erklärte ein Sprecher der Stadt. Auf die Frage, ob man den Sozialarbeiter nicht einfach hätte einstellen können, folgte ein 45-sekündiges Schweigen.

Kenner der Schweriner Verwaltungstradition überrascht das wenig. In einer Stadt, in der selbst die Stadtvertretung ihre eigenen Regeln kaum versteht, ist ein ESF-gefördertes Interessenbekundungsverfahren für eine 35-Stunden-Stelle geradezu schlank.

Die Kinder müssen sich noch etwas gedulden

Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum soll das Verfahren persönlich begrüßt haben – mit den Worten: „Wenn alles nach Plan läuft, hat die Astrid-Lindgren-Schule bis Mai 2026 eine Schulsozialarbeiterin. Also, wenn der Träger gefunden ist. Und das Konzept stimmt. Und der ESF zahlt. Und die Anerkennung vorliegt. Und der Haushalt steht. Und…“

Die Kinder der Astrid-Lindgren-Schule nehmen es gelassen. Sie sind es gewohnt, in Schwerin auf Dinge zu warten. Auf den Bus. Auf den Frühling. Auf die Zukunft. Da kommt es auf einen Schulsozialarbeiter mehr oder weniger auch nicht mehr an.

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