Schwerin macht Ernst mit der Vermarktung seiner Standortvorteile: Ab sofort können Unternehmen und PR-Agenturen städtische Einrichtungen nicht nur kostenlos als Kulisse nutzen – das Personal ist gleich mit dabei. Das bestätigte die Pressestelle der Landeshauptstadt nach einem Leserhinweis zu einem Werbe-Reel, in dem eine Mitarbeiterin der Schwimmhalle Großer Dreesch neben Schwimmhallen-Flyern auch Eigenwerbung der beauftragten Agentur Maxpress präsentierte.
Keine Vorteilsnahme – nur kreatives Stadtmarketing
Pressesprecherin Michaela Christen sieht in der Aktion zusätzliche Werbung für die Schwimmhalle und betont: Dass dabei Eigenwerbung der Agentur im Vordergrund gestanden habe, sei nicht offenkundig. Dass in dem Clip neben dem Schwimmhallen-Flyer auch Werbematerial für hauspost und SchwerinToGo in die Kamera gehalten wurde, sei eine normale Gepflogenheit.
Auch die Mitwirkung städtischer Beschäftigter während der Arbeitszeit wird von der Pressestelle als üblich eingeordnet: Unsere Beschäftigten sind die besten Botschafter, so Christen. Die rhetorische Frage folgt prompt: Warum sollten wir ihnen nicht gestatten, sich mit ihrer Einrichtung zu identifizieren?
Schwerin als Kulisse: Kostenlos und unkompliziert
Grundsätzlich, so die Stadt, erhebe Schwerin keine Gebühren, wenn Unternehmen Motive in der Landeshauptstadt als Kulisse für Eigen- oder Produktwerbung nutzen möchten. Im Gegenteil stellen wir auf Wunsch sogar Bildmaterial kostenlos zur Verfügung, um die Wahrnehmung Schwerins als Marke zu stärken, heißt es aus dem Rathaus.
Auch eine förmliche Drehgenehmigung brauche es für solche Produktionen nicht. Die Stadt könne keine gewichtigen inhaltlichen Gründe erkennen, warum ein Reel über eine Flyer-Übergabe eine formale Leistungsabnahme durchlaufen müsse.
Neue Geschäftsmodelle denkbar
Die großzügige Regelung eröffnet kreative Perspektiven: Werbeagenturen können künftig nicht nur den Schweriner See als Kulisse nutzen, sondern auch das Rathaus für Finanzdienstleister-Spots, das Theater für Luxusuhren-Werbung oder das Tierheim für Katzenfutter-Kampagnen – Personal inklusive, versteht sich.
Kritische Stimmen, die hinterfragen, ob die Arbeitszeit städtischer Angestellter für private Werbeproduktionen verwendet werden sollte, weist die Pressestelle zurück. Es handle sich schließlich um zusätzliche Werbung für die jeweilige Einrichtung – auch wenn die Agentur-Werbung im Vordergrund stehe.
Transparenz als Marketingstrategie
Die Stadt setzt damit auf maximale Transparenz: Statt Drehgenehmigungen, Nutzungsgebühren oder Absprachen mit Compliance-Abteilungen gibt es in Schwerin den direkten Weg – einfach drehen, Mitarbeiter mitnehmen, fertig. Schwerin als Marke profitiere schließlich von jeder Erwähnung, so die Logik.
Ob die Mitarbeiterin der Schwimmhalle für ihren Auftritt im Reel eine GEMA-Gebühr erhält oder zumindest einen Freimonat fürs Schwimmen, ist nicht bekannt. Die Pressestelle betont jedoch: Unsere Beschäftigten sind die besten Botschafter. Und die arbeiten bekanntlich aus Überzeugung – nicht fürs Geld.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
