Politik

SSC-Trainer flieht nach Wiesbaden: „Hier ist es mir zu ruhig auf der Bank“

Schwerin verliert mal wieder einen seiner wenigen jungen Menschen an den Westen. Diesmal trifft es Paul Sens (28), seines Zeichens Co-Trainer der Bundesliga-Volleyballerinnen des SSC Palmberg Schwerin, der ab Sommer als Chefcoach beim VC Wiesbaden anheuert. Dreijahresvertrag. In der hessischen Landeshauptstadt. Also dort, wo abends noch Lichter brennen.

28 Jahre alt und schon zu gut für Schwerin

Sens hat „über viele Jahre maßgeblich zum sportlichen Erfolg unseres Clubs beigetragen“, erklärte SSC-Geschäftsführer Michael Evers mit der Gelassenheit eines Mannes, der bereits die nächste Abschiedsrede vorbereitet hat. Man ermögliche ihm „den nächsten Schritt in seiner Trainerlaufbahn“ und fördere „Entwicklung – auch dann, wenn sie außerhalb unseres Vereins stattfindet“.

Übersetzt: Wir konnten ihn nicht halten. Mal wieder. Schwerin, die Stadt, in der selbst eine Abwanderer-Gebühr niemanden vom Wegziehen abhält.

„Wir fördern Entwicklung – auch wenn sie woanders stattfindet.“ Inoffizieller Slogan der Stadt Schwerin seit 1990.

Wiesbaden lockt mit Dreijahresvertrag und fließend Warmwasser

Was Wiesbaden dem jungen Trainer bietet, kann Schwerin naturgemäß nicht: Perspektive. Ein Dreijahresvertrag in einer Stadt, in der das Durchschnittsalter unter dem Rentenalter liegt und in der man nach 20 Uhr noch ein Restaurant findet, das nicht die Stühle hochstellt.

Der SSC Palmberg Schwerin bleibt damit seinem bewährten Konzept treu: Talente ausbilden, ein paar Jahre von ihnen profitieren, dann verabschieden und auf dem Neujahrsempfang darüber reden, wie wichtig Nachwuchsförderung sei. Ein Kreislauf so zuverlässig wie die Schweriner Straßenbahn – nur dass der tatsächlich funktioniert.

Immerhin: Schwerin hat damit bewiesen, dass die Stadt Menschen hervorbringt, die anderswo Karriere machen können. Das ist doch auch was. Quasi eine Investition in die Jugend, die dann woanders lebt.

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