Schwerin hat ein Profisport-Team. Eines. Der Schweriner SC spielt Volleyball in der ersten Bundesliga der Frauen. Und zwar ziemlich erfolgreich. Mehrfacher Deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Teilnehmer. Ein Verein, der in seiner Sportart zur absoluten Elite gehört. In einer Stadt, die sonst in keiner Kategorie zur Elite gehört.
Das Problem: Volleyball ist in Deutschland eine Randsportart. Selbst wenn der SSC im Finale steht, interessiert das außerhalb der Halle vielleicht 200 Leute in der Stadt. Die Palmberg-Arena fasst 3.000 Zuschauer und ist bei Spitzenspielen auch mal voll. Aber Volleyball ist nicht Fußball, und Schwerin ist nicht München.
Wo ist der Fußball?
Jede Landeshauptstadt hat einen Fußballverein mit Geschichte. Dresden hat Dynamo, Magdeburg hat den FCM, Erfurt hatte Rot-Weiß. Schwerin hat den FC Mecklenburg. Landesliga. Fünftklassig. Zuschauerschnitt: dreistellig, wenn man den Platzwart mitzählt.
In einer Fußballnation wie Deutschland bedeutet das: sportliche Unsichtbarkeit. Kein Zweitligaspiel am Samstag, das die Stadt zusammenbringt. Kein Stadion, das Atmosphäre schafft. Kein Verein, mit dem man sich identifiziert, wenn man nicht gerade die Landesliga verfolgt. Hansa Rostock spielt in der zweiten Liga. In Schwerin spielt man in der Liga, die man bei Google erst suchen muss.
Ich bin Schwerin-Fan. Im Fußball unterstütze ich Hansa. Was soll ich machen? Hier gibt’s ja nichts.
Dennis, 38, Schwerin-Lankow
Und es ist ja nicht nur Fußball. Basketball? Gibt es, aber Regionalliga. Handball? Landesliga. Eishockey? Nicht existent. Schwimmen? Das Sportbad Lankow ist ein Hallenbad, kein Leistungszentrum. Leichtathletik? Der Sportpark Paulsdamm hat seine besten Jahre hinter sich, genau wie die Stadt.
Breitensport: Laufen und Hoffen
Im Breitensport sieht es nicht viel besser aus. Es gibt einen Fünf-Seen-Lauf, der tatsächlich ganz hübsch ist. Es gibt den Schweriner Sportverein und diverse kleine Vereine. Fitnessstudios existieren. Aber eine lebendige Sportkultur, wie sie Städte gleicher Größe anderswo haben? Davon ist Schwerin weit entfernt.
Potsdam hat 185.000 Einwohner und olympische Trainingsstätten. Cottbus hat 100.000 Einwohner und Energie Cottbus in der zweiten Liga. Schwerin hat 98.000 Einwohner und den SSC. Ein Verein, auf den man stolz sein kann. Aber eben nur einen.
Schwerin ist eine sportbegeisterte Stadt mit einem breiten Angebot für alle Altersgruppen.
Sportdezernat, vermutlich über eine andere Stadt
Der Schweriner SC macht Schwerin zur Volleyball-Hauptstadt Deutschlands. Den Rest der Sportlandschaft kann man getrost ignorieren. Tut die Stadt ja auch.
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