Politik

Sonntag in Schwerin: Stadtverwaltung kann keinen Unterschied zum Dienstag feststellen

Schwerin. Ein aufwendig angelegtes Pilotprojekt der Stadtverwaltung hat ergeben, was viele Schweriner seit Jahrzehnten vermuten: Der Sonntag in der Landeshauptstadt unterscheidet sich statistisch nicht von einem beliebigen Dienstag. Die Studie, die über sechs Monate lief und 340.000 Euro kostete, wertete Fußgängerströme, Geräuschpegel und die Anzahl geöffneter Türen in der Innenstadt aus. Das Ergebnis: Die Abweichung liegt im Bereich der Messungenauigkeit.

„Wir haben zunächst vermutet, dass unser Messgerät defekt ist“, erklärte Projektleiter Dr. Sven Kaltenberg bei der Präsentation der Ergebnisse. „Aber nein. Der Dienstag um 14 Uhr und der Sonntag um 14 Uhr sind in Schwerin akustisch, visuell und atmosphärisch identisch. Die Innenstadt schafft es, an sieben Tagen die Woche exakt gleich leer zu sein. Das ist, wenn man so will, eine bemerkenswerte Konstanz.“

Marienplatz: Auch unter der Woche sonntagsreif

Besonders der Marienplatz erwies sich als Paradebeispiel für die These. Die Zählung ergab durchschnittlich 23 Passanten pro Stunde am Sonntag und 27 am Dienstag. „Vier Personen Unterschied, davon zwei Tauben“, fasste Kaltenberg zusammen. Die Marienplatz-Galerie, deren Rolltreppen unter der Woche für geschätzt acht Besucher pro Etage laufen, steht sonntags still. Der optische Unterschied: keiner.

„Ich gehe seit 30 Jahren jeden Tag am Pfaffenteich spazieren. Irgendwann habe ich aufgehört, auf den Wochentag zu achten. Bringt ja nichts.“

Helmut K. (74), Rentner aus der Feldstadt

Das Kulturdezernat reagierte betont gelassen auf die Ergebnisse. Man habe schließlich nie behauptet, dass unter der Woche mehr los sei. Im Gegenteil: Die „verlässliche Ruhe“ sei ein Standortvorteil. Andere Städte würden Millionen ausgeben, um den Verkehr zu beruhigen. Schwerin habe dieses Problem organisch gelöst.

Gastronomie bestätigt: „Wir merken keinen Unterschied, weil wir sowieso um 21 Uhr zumachen“

Auch die Schweriner Gastronomie untermauert die Studienergebnisse. Von den 14 noch geöffneten Restaurants in der Altstadt gaben zwölf an, zwischen Montag und Sonntag „keine spürbaren Umsatzschwankungen“ zu verzeichnen. „Drei Gäste sind drei Gäste, egal welcher Tag“, sagte ein Wirt, der namentlich nicht genannt werden wollte, weil er „dann noch weniger Gäste“ befürchte. Zwei Betriebe haben inzwischen den Sonntag zum regulären Werktag erklärt, weil das „ehrlicher“ sei.

Die Studie empfiehlt der Stadt, die Sonntagsruhe offiziell abzuschaffen. Nicht etwa, um die Geschäfte zu öffnen, sondern um Verwaltungskosten zu sparen. „Die Beschilderung ‚Sonntagsruhe‘ in der Fußgängerzone kostet jährlich 1.200 Euro Wartung“, heißt es im Bericht. „Für etwas, das faktisch 365 Tage im Jahr herrscht, braucht man kein Schild.“

Die Opposition forderte daraufhin, auch den Freitagabend untersuchen zu lassen. Man vermute ähnliche Ergebnisse, habe aber noch nie einen erlebt.

Die Stadtverwaltung plant bereits eine Folgestudie: Ob Schweriner den Unterschied zwischen Tag und Nacht bemerken. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Straßenbeleuchtung das einzige zuverlässige Indiz ist.

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