Schwerin steht unter Schock. In der Nacht zum 19. Februar wurde der Kassenautomat der Schrankenanlage am Waldfriedhof aufgebrochen und der gesamte Bargeldbestand entwendet. Die Polizei soll den Fall inzwischen zur Chefsache erklärt haben. Es handele sich, so ein Sprecher, um den dreistesten Raubzug auf Schweriner Stadtgebiet seit der Wende.
Soko „Grabgold“ nimmt Ermittlungen auf
Die eigens eingerichtete Sonderkommission „Grabgold“ soll mittlerweile aus vier Beamten bestehen, was einem Drittel der für Schwerin verfügbaren Ermittlungskapazität entspreche. Ein forensisches Team habe den Automaten auf Fingerabdrücke untersucht, ein Profiler erstelle derzeit ein psychologisches Täterprofil. Erste Erkenntnisse sollen darauf hindeuten, dass der oder die Täter über fundierte Kenntnisse im Bereich Münzautomaten-Mechanik verfügen.
Wir sprechen hier von einem Automaten, der seit 2017 in Betrieb ist. Montags bis freitags, 8 bis 15:30 Uhr. Wer weiß, was sich da über die Jahre angesammelt hat. Das könnten dreistellige Beträge sein.
Kriminaldirektor Sven-Olaf Büttner, Leiter der Soko „Grabgold“ (so oder so ähnlich)
Der Schaden am Bezahlterminal selbst soll die Beute um ein Vielfaches übersteigen, was in Fachkreisen als „typisch Schwerin“ bezeichnet werde. Die Stadt habe bereits angekündigt, den Automaten zeitnah reparieren zu lassen, wobei die Vergabe des Reparaturauftrags zunächst durch drei Ausschüsse, eine interfraktionelle Arbeitsgruppe und eine öffentliche Bürgerbeteiligung müsse.
Bürger fordern Videoüberwachung — auch für Tote
Auf dem Marienplatz, so erfuhr man aus informierten Kreisen, sei die Nachricht mit einer Mischung aus Entsetzen und Neid aufgenommen worden. Entsetzen, weil der Friedhof bislang als einziger sicherer Ort der Stadt galt. Neid, weil der Marienplatz zwar 24 Kameras hat, der Friedhof aber offenbar das wertvollere Diebesgut.
Lokalpolitiker sollen sich bereits gegenseitig mit Forderungen überbieten. Ein OB-Kandidat habe vorgeschlagen, alle städtischen Parkautomaten künftig per Blockchain zu sichern. Ein anderer empfehle eine nächtliche Friedhofswache, bestehend aus Ehrenamtlichen und einem Schäferhund. Ein dritter habe angeregt, die Parkgebühren einfach abzuschaffen, da ohnehin kaum jemand den Friedhof mit dem Auto anfahre.
Das ist ein Angriff auf die Würde unserer Verstorbenen. Und auf die Einnahmen der Stadtkasse, was in Schwerin ungefähr dasselbe ist.
Ratsherr für Bestattungswesen und kommunale Verlustbegrenzung (sinngemäß)
Die Schrankenanlage bleibt vorerst in Betrieb, allerdings ohne funktionierendes Bezahlterminal. Die Zufahrt zum Friedhof sei damit vorübergehend kostenlos, was laut Stadtverwaltung nicht als Einladung zu verstehen sei. Die Soko „Grabgold“ bittet weiterhin um Hinweise unter 0385 5180-0. Bislang habe sich niemand gemeldet. In Schwerin hat man nachts bekanntlich anderes zu tun. Zum Beispiel schlafen.
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