Die Schweriner Innenstadt hat ein neues Feindbild: den E-Scooter-Fahrer. Nachdem die Stadtvertretung bereits mehr Polizeikontrollen in der Fußgängerzone gefordert hat, legt der Seniorenbeirat jetzt nach und verlangt einen verpflichtenden E-Scooter-Führerschein für alle Nutzer ab 14 Jahren. Theoretische Prüfung inklusive.
Fußgängerzone oder Rennstrecke?
Der Hintergrund: Zwischen Mai und September dürfen Fahrräder und E-Scooter in der Schweriner Fußgängerzone nur geschoben werden – allerdings nur zwischen 10 und 18 Uhr. Davor und danach ist freie Fahrt. Wer morgens um 9:50 Uhr noch legal durch die Mecklenburgstraße brettern darf, muss zehn Minuten später absteigen. Ein Regelwerk, das offenbar selbst die Polizei nicht durchsetzen kann.
Annegret Bemmann, SPD-Vorsitzende des Seniorenbeirats, berichtete in der Stadtvertretung von „vielen negativen Erlebnissen“ älterer Menschen in der Innenstadt. E-Scooter-Fahrer würden durch die Fußgängerzone rasen, als wäre es die letzte Etappe der Tour de France – nur leiser und mit schlechterer Haltung.
„Wir haben dem Oberbürgermeister geschrieben, er soll die Polizei bitten, öfter mal vorbeizuschauen. Bisher hat die Polizei allerdings signalisiert, dass ihr dafür die Kapazitäten fehlen.“
Die Lösung der Stadt: Der amtierende Oberbürgermeister soll die Schweriner Polizeiinspektion höflich bitten, gelegentlich in der Innenstadt vorbeizuschauen. Ob die Polizei dieser Bitte nachkommt, steht in den Sternen – denn bereits 2025 hatte das Land eine Erweiterung der Ordnungsamts-Befugnisse abgelehnt. Das Ordnungsamt darf weiterhin nur Falschparker aufschreiben und blitzen. Für alles, was sich bewegt, ist die Polizei zuständig. Und die hat bekanntlich andere Prioritäten.
Fahrradstraße als Trostpflaster
Immerhin: Der südliche Teil der Mecklenburgstraße, ab der Kreuzung an der Burgseegalerie, soll in diesem Jahr zur Fahrradstraße werden. Radfahrer dürfen dort dann offiziell fahren, und Autofahrer werden zu Gast im eigenen Straßenraum degradiert. Ein mutiger Schritt für eine Stadt, die sonst eher dafür bekannt ist, Verkehrskonzepte aus den 90ern zu recyceln.
Bis dahin bleibt den Senioren nur der bewährte Schweriner Selbstschutz: Zuhause bleiben, die Gardinen zuziehen und sich darüber aufregen, dass die Jugend von heute nicht einmal mehr richtig Fahrrad fahren kann. Was technisch gesehen stimmt – denn die fährt ja E-Scooter.
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