Schwerin (SIG) — Es gibt Städte, die mit Kultur werben, andere mit Gastronomie, wieder andere mit einem funktionierenden ÖPNV. Schwerin hat jetzt einen OB-Kandidaten, der nachts vor seiner eigenen Bar für Polizeieinsätze sorgt — und hinterher erklärt, der andere habe geschlagen werden wollen.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag rückten Beamte gegen 2:20 Uhr zu einem Lokal in der Mecklenburgstraße aus. Dort war es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem 62-jährigen Gast und dem Türsteher gekommen. Anschließend soll sich der 56-jährige Inhaber der Bar eingemischt und dem Gast ins Gesicht geschlagen haben. Die Polizei nahm eine Anzeige wegen Körperverletzung auf. Zumindest eines steht fest: Um 2 Uhr nachts war in Schwerin tatsächlich etwas los. Das allein ist nachrichtenwürdig.
„Er wollte unbedingt, dass ich ihn schlage“
Weil die Polizei in ihrer Meldung zwar Ort und Alter nannte, aber den Namen des Lokals verschwieg, dauerte es in den sozialen Netzwerken ungefähr vier Minuten, bis die Identität des Bar-Inhabers durchsickerte: Heiko Steinmüller, Stadtvertreter, Gastronom und — wie es der Zufall will — OB-Kandidat. Steinmüller meldete sich unter einem Facebook-Beitrag selbst zu Wort und lieferte eine bemerkenswerte Verteidigungsstrategie.
„Er wollte unbedingt, dass ich ihn schlage. Habe ich aber nicht!“
Heiko Steinmüller, OB-Kandidat, auf Facebook
Laut Steinmüller sei die ganze Situation „geplant“ gewesen. Ein Mann habe ihn minutenlang angeschrien, sich dann absichtlich fallen lassen und anschließend behauptet, wegen seiner angeblichen AfD-Nähe geschlagen worden zu sein. Videoaufnahmen und zahlreiche Zeugen würden seine Version stützen. Ein klassischer Fall von: Ich war’s nicht, aber wenn, dann hat er angefangen, und überhaupt war alles inszeniert.
Wahlkampf mit Hands-on-Mentalität
In einer Stadt, in der es mehr OB-Kandidaten als Straßenbahnlinien gibt, muss man sich eben abheben. Während andere Bewerber auf Plakatständer und Podiumsdiskussionen setzen, bringt Steinmüller offenbar eine gewisse Hands-on-Mentalität mit. Andere Lokalpolitiker klopfen an Haustüren — er klopft, wenn überhaupt, woanders an.
Besonders pikant: Erst kürzlich hatte eine Schlägerei in der Marienplatz-Galerie gezeigt, dass Schwerin zumindest bei alkoholbedingten Auseinandersetzungen zur Hochform aufläuft. Dass jetzt auch ein OB-Kandidat in diesem Segment mitmischt, dürfte die Tourismusbehörde freuen: Endlich gibt es neben dem Schloss noch eine zweite Attraktion.
Immerhin hat der Vorfall bewiesen, dass man in Schwerin auch nach Mitternacht noch wach sein kann — man braucht nur den richtigen Kandidaten. Ob Steinmüllers Chancen bei der OB-Wahl durch den Vorfall steigen oder sinken, bleibt abzuwarten. In einer Stadt, die ohne Oberbürgermeister exakt genauso schlecht funktioniert wie mit, dürfte das ohnehin niemanden stören.
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Bhoar. Ja, genau so geht das. Also das Ding mit Satire. MIt ist beim Lesen vor Lachen fast mein Joint in mein Martini Glas gefallen – in dem ich Moenet gemixt mit guten Sterburger Pils genoss. Wer ersetzt mir jetzt das Getränk, Sterni wird auch immer teurer.