Schwerin hat einen See. 60 Quadratkilometer Wasser, mitten in der Stadt, mit einem Schloss drüber. Und niemand nutzt ihn wirklich. Das ist bekannt, es ist chronisch, und es ist vermutlich das Schweriner Identitätsmerkmal schlechthin. Doch im Februar 2026 passierte etwas Ungewöhnliches: Der Schweriner See fror ein. Und für ein paar kostbare Tage spazierten die Menschen plötzlich auf ihm – genauer gesagt: neben den im Eis festsitzenden Schiffen.
Das Nordmagazin nannte es „letzte Gelegenheiten auf dem Schweriner See zu spazieren“. Die Formulierung klingt wie ein Abschied. Und das ist sie auch: Mit dem Tauwetter, das sich seit Freitag über Mecklenburg-Vorpommern legt, endet das kurze Winterexperiment. Der Schweriner See wird wieder das, was er immer ist: schön, groß, unberührt und irgendwie unerreichbar.
Für einige Tage war der See kein Hindernis mehr
Die Schiffe, die sonst auf dem Wasser liegen und damit den See als Nutzfläche markieren, lagen plötzlich im Eis – und damit auf Augenhöhe mit den Spaziergängern. Man konnte neben ihnen stehen. Neben echten Schiffen. Auf dem See. Das ist in Schwerin eine Meldung wert, und NDR Nordmagazin hat es pflichtbewusst gemeldet.
„Das Spazieren neben den Schiffen ist bald wieder vorbei. Der Winter könnte sich sogar endgültig verabschieden.“
NDR Nordmagazin, Februar 2026
Die Landeshauptstadt Schwerin hat in solchen Fällen einen klaren Standpunkt: „Das Betreten von Eisflächen geschieht im Gebiet der Landeshauptstadt Schwerin ausdrücklich auf eigene Gefahr.“ Was übersetzt bedeutet: Ihr dürft nicht, aber wenn ihr es macht, dann bitte auf eigene Verantwortung. Eine städtische Kommunikationsstrategie, die man aus anderen Bereichen kennt.
Abschied vom Winter – und von der kurzen Nutzbarkeit des Sees
Der Schweriner See ist, wie schon mehrfach festgestellt wurde, 60 Quadratkilometer, die niemand nutzt. Im Winter 2026 hat er sich kurz selbst geholfen: indem er einfror und damit begehbar wurde. Das ist im Grunde eine Initiative des Sees selbst, für die er keine Fördergelder beantragt, keinen Ausschuss gegründet und keinen Planungsprozess angestoßen hat.
Nun taut er wieder auf. Die Schiffe werden sich lösen, das Eis wird weichen, und der See wird wieder das sein, was er immer war: majestätisch, still und auf eine stille Art unangetastet. Bis zum nächsten Winter. Oder bis jemand eine Idee hat, was man mit 60 Quadratkilometern Wasser in einer Stadt anfangen könnte.
Quellen: NDR Nordmagazin: Letzte Gelegenheiten auf dem Schweriner See zu spazieren, Landeshauptstadt Schwerin: Betreten von Eisflächen
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