Kurioses

Schweriner Kneipenwirt findet kreisrundes Einschussloch im Fenster – und kennt den Täter bereits: „Das war die Antifa“

SCHWERIN. Andreas Kreft ist Wirt der „Olympia“-Sportsbar in der Schweriner Paulsstadt, und er hat ein Problem: In seinem Schaufenster befindet sich ein kreisrundes Einschussloch. Wann es entstand, ist unklar. Wer es verursacht hat, ist polizeilich ungeklärt. Für Kreft selbst hingegen ist die Sache eindeutig: „Das war die Antifa.“ Die Staatsanwaltschaft prüft das noch.

Die „Olympia“-Sportsbar beherbergt einen AfD-Stammtisch und ist mit Anti-Grünen-Aufklebern dekoriert. Das macht sie zu einem eher ungewöhnlichen Ort in der Schweriner Gastronomielandschaft, die ansonsten hauptsächlich durch Karaoke, Sky-Abonnements und die übliche Ratlosigkeit über das Kneipensterben auffällt. Dass auf sie – möglicherweise – geschossen wurde, ist nun Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die das Ganze offiziell als „Schusswaffenverdacht“ führt. Der Unterschied zwischen einem Einschussloch und einem Verdacht auf ein Einschussloch ist juristisch relevant. Für das Fenster eher nicht.

Schwerin löst Kriminalfälle jetzt vor der Polizei

Was den Fall bemerkenswert macht, ist weniger das Loch als die Geschwindigkeit der Täteridentifikation. Während Polizei und Staatsanwaltschaft noch klären, ob überhaupt eine Schusswaffe im Spiel war, steht für Wirt Kreft die Antwort bereits fest. Diese Form der Bürgerbeteiligung an der Verbrechensaufklärung ist in Schwerin neu – bisher war die Stadt eher für lange Wartezeiten bei Verwaltungsdienstleistungen bekannt als für schnelle Gerichtsbarkeit.

Das Lokal ist regulär ab 18 Uhr geöffnet, an Bundesliga-Spieltagen bereits ab 14 Uhr, und bietet neben Fußball auch Karaokeabende an. Es ist damit der Typ Gastronomie, bei dem man normalerweise nicht damit rechnet, Teil einer Staatsanwaltschafts-Ermittlung zu werden – es sei denn, man hat den Abend mit „My Way“ beendet und die Nachbarn darüber weniger erfreut.

„Das war die Antifa.“

Andreas Kreft, Wirt der Olympia-Sportsbar Schwerin – noch vor Abschluss der polizeilichen Ermittlungen

Schwerins Sicherheitslage und was sie über die Stadt verrät

Die Paulsstadt gilt als lebendig, urban und politisch gemischt. Dass ein Gastronomiebetrieb dort offenbar politisch Stellung bezieht – Stammtisch hier, Aufkleber da –, ist sein gutes Recht. Dass daraufhin möglicherweise jemand ein Loch in die Scheibe gemacht hat, ist hingegen strafbar, unabhängig davon, wer es war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Polizei ermittelt. Wirt Kreft hat bereits ermittelt.

In der Schweriner Debatte um Sicherheit und Ordnung reiht sich dieser Vorfall ein in eine Reihe von Vorfällen, die zeigen, dass die Landeshauptstadt zwar kein Brennpunkt ist, aber gelegentlich so tut, als ob. Wer die Zuständigkeiten in der Stadt kennt, wird sich auch hier nicht wundern: Die lokale AfD-Fraktion hat in der Vergangenheit bereits wegen LED-Schildern Alarm geschlagen. Ein Einschussloch ist da eine andere Qualität – aber der Reflex, sofort den politischen Gegner zu benennen, bleibt derselbe.

Ob es sich tatsächlich um einen Schuss handelte, was das Motiv war und wer dahintersteckt: Das werden die Ermittlungen klären. Bis dahin gilt in Schwerin die Unschuldsvermutung – auch für Antifas, auch für Fenster, und auch für Wirt Andreas Kreft, der sein Lokal weiter betreibt und vermutlich die Scheibe reparieren lässt, sobald feststeht, womit sie beschädigt wurde.

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