Kurioses

Schweriner Gastronom hält bis 23 Uhr offen — Ordnungsamt rückt an, weil Nachbarn „ungewöhnliche Aktivitäten“ melden

Schwerin. Was als mutiger Versuch begann, die gastronomische Szene der Landeshauptstadt zu revolutionieren, endete am Dienstagabend mit einem Großeinsatz des Ordnungsamtes: Der Betreiber des Restaurants „Zum Pfaffenteich“ in der Schweriner Altstadt hatte es tatsächlich gewagt, sein Lokal bis 23 Uhr geöffnet zu lassen.

„Um 21:07 Uhr ging der erste Anruf ein“, bestätigte ein Sprecher des Ordnungsamtes. Eine Anwohnerin aus der Puschkinstraße hatte „verdächtige Lichterscheinungen und Stimmengewirr“ gemeldet. „Sie war sich sicher, dass es sich um einen Einbruch handeln müsse. Dass um diese Uhrzeit noch jemand freiwillig in einem Schweriner Restaurant sitzt, hielt sie für ausgeschlossen.“

Drei Gäste lösen Ermittlungen aus

Als die Beamten eintrafen, fanden sie den Gastronomen Klaus-Dieter Warnke (54) vor, wie er tatsächlich drei Gästen Getränke servierte. Alle drei waren zugereiste Geschäftsreisende, die nicht wussten, dass in Schwerin nach 21 Uhr der Bürgersteig hochgeklappt wird. „Die haben mich gefragt, wo man hier abends essen kann“, berichtete Warnke. „Ich habe gelacht. Die haben mitgelacht. Dann haben wir alle geweint.“

„Wir haben um 21:30 Uhr tatsächlich noch eine Portion Schnitzel rausgelassen. Das war seit 2019 die erste warme Küche nach neun in ganz Schwerin.“

Klaus-Dieter Warnke, Gastronom und offenbar Extremsportler

Das Ordnungsamt stellte zwar fest, dass kein Verstoß vorlag, empfahl Warnke aber dringend, „die Nachbarschaft bei künftigen Abendöffnungen mindestens 14 Tage im Voraus schriftlich zu informieren“. Man kenne das hier nicht. Ein Beamter soll vertraulich gesagt haben: „Ich bin seit 23 Jahren beim Ordnungsamt. Ich wusste nicht, dass Schwerin Restaurants hat, die nach acht noch offen sind.“

Stadtverwaltung prüft „Nachtgastronomie-Konzept“

Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum reagierte am Mittwoch mit einer offiziellen Stellungnahme. Man begrüße „grundsätzlich jede Form gastronomischer Innovation“ und werde nun eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zum Thema Abendkultur einrichten. Erste Ergebnisse seien „im Laufe des nächsten Jahrzehnts“ zu erwarten.

Die Dezernentin für Stillstandsmanagement, Dr. Heike Grauberg, schlug vor, das Restaurant als „Pilotprojekt Nachtgastronomie“ zu deklarieren. Dafür müsse Warnke allerdings einen 47-seitigen Antrag ausfüllen, eine Lärmschutzprüfung durchführen lassen und nachweisen, dass mindestens zwei Gäste pro Abend „realistisch prognostizierbar“ seien.

Warnke selbst zeigte sich ernüchtert. Am Mittwochabend schloss er wie gewohnt um 20:30 Uhr. „Ich wollte ein Zeichen setzen“, sagte er. „Aber Schwerin ist nicht bereit. Die Straßenbeleuchtung geht eh um acht aus. Da kann ich Kerzen auf den Tisch stellen, wie ich will.“

Die drei Geschäftsreisenden sind übrigens am nächsten Morgen nach Hamburg weitergefahren. Einer hinterließ auf Google eine Ein-Stern-Bewertung für Schwerin: „Schönes Schloss. Aber die Stadt schließt um neun. Nicht das Restaurant. Die Stadt.“

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