Schwerin (sig). Die Schweriner CDU hat bekanntgegeben, bis zu 70.000 Euro in Plakate für den OB-Wahlkampf ihres Kandidaten Sebastian Ehlers zu investieren. Das ist eine bemerkenswert präzise Summe – und rund doppelt so viel, wie Ehlers letzte Woche von Schweriner Bürgern für einen Spielplatz in Lankow erbeten hatte. Der Zusammenhang wird ausdrücklich nicht bestritten.
Zur Einordnung: Der Schweriner CDU-Kandidat und amtierende Stadtpräsident hatte Anfang Februar einen Spendenaufruf für den Spielplatz an der Kieler Straße in Lankow gestartet und dafür einen Bedarf von „30.000 bis 40.000 Euro“ kommuniziert. Die Bürgerinitiative, die den Platz gerettet hatte, war nicht beteiligt. Der städtische Eigenbetrieb SDS hatte keine offizielle Kostenschätzung abgegeben. Und der Zustand, der die Spende begründen sollte, entpuppte sich laut Stadt als „Kommunikationsfehler“.
Die CDU hingegen hat für Plakate ein Budget, das nach derzeitigem Stand locker zwei Lankow-Spielplätze finanzieren könnte. Für denselben Kandidaten. Im selben Wahlkampf. Wer das überraschend findet, hat Schwerin möglicherweise noch nicht lange genug bewohnt.
„Bis zu“ – der politische Lieblingsausdruck
„Bis zu 70.000 Euro“ ist dabei eine klassische Formulierung. Sie bedeutet, dass der Betrag irgendwo zwischen null und 70.000 Euro liegen wird – mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von annähernd 100 Prozent, dass es Richtung 70.000 geht. „Bis zu“ ist das „perspektivisch gesperrt“ des Haushaltsplans: klingt nach weniger, meint aber das Maximum.
„Für die Kinder in Lankow brauchen wir eure Unterstützung. Für mich selbst stehen 70.000 Euro Parteibudget zur Verfügung.“
So hat das niemand gesagt – aber so könnte man es zusammenfassen
Natürlich sind 70.000 Euro Wahlkampfbudget für einen CDU-OB-Kandidaten in einer Landeshauptstadt nicht ungewöhnlich. Andere Kandidaten werden ähnliche oder höhere Summen mobilisieren. Das macht die Sache nur bedingt besser.
Sieben Kandidaten, sieben Budgets, ein Spielplatz
Interessant wird es im Vergleich mit den anderen Kandidaten: Mandy Pfeifer (SPD/Linke/Grüne) hat gleich drei Parteien hinter sich, die Plakate finanzieren dürften. Petra Federau (AfD) kandidiert für eine Partei, die bundesweit gut aufgestellt ist. Und Heiko Steinmüller gibt nach eigenem Bekunden Bescheid über seine Kneipenwirtsphilosophie – ob er 70.000 Euro für Plakate hat, ist nicht überliefert.
Lars Schubert (FDP, wohnhaft in Göttingen) soll über Niedersachsen um Unterstützung ersucht haben. Massimo De Matteis (Volt) wirbt europäisch. Dr. Aileen Wosniak (ASK) kommt ohne Parteiapparat aus – was finanzielle Kreativität erfordert.
Was das für die Wahl am 12. April bedeutet, lässt sich noch nicht sagen. Was es für Lankow bedeutet, auch nicht. Der Spielplatz wartet auf Spenden. Die Laternenmasten warten auf Plakate. Und Schwerin wartet, wie immer, auf beides.
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