Die Landeshauptstadt hat einen neuen Rekord aufgestellt, der allen Nörglern den Wind aus den Segeln nehmen dürfte: Noch nie pendelten so viele Schweriner täglich nach Hamburg wie im Jahr 2025. Mit über 4.800 registrierten Berufspendlern in Richtung Hansestadt hat die Stadt einen historischen Höchststand erreicht.
„Diese Zahlen zeigen eindeutig: Schwerin ist ein attraktiver Wohnstandort“, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung am Mittwoch. „Die Menschen entscheiden sich bewusst für unsere Landeshauptstadt.“ Dass sie dann jeden Morgen um 5:47 Uhr aufstehen müssen, um rechtzeitig den Regionalexpress zu erreichen, der sie in knapp zwei Stunden zur Arbeit bringt, sei ein „vertretbarer Kompromiss für die hohe Lebensqualität“.
„Günstiger als Hamburg, näher an Hamburg als gedacht“
Die Stadt wirbt mittlerweile offensiv mit dem Pendler-Argument. Unter dem Motto „Günstiger als Hamburg, näher an Hamburg als gedacht“ werden junge Familien angesprochen. Dass 120 Kilometer Luftlinie irgendwie zu zwei Stunden Fahrzeit werden, erklärt die Deutsche Bahn mit „gewachsenen Strukturen“ und „besonderen topografischen Herausforderungen im norddeutschen Flachland“.
„Ich stehe um halb sechs auf, bin um acht auf der Arbeit und um sieben wieder zuhause. Das ist doch großartig.“
Thomas K. (38), Hamburg-Pendler seit 2019, hat seine Kinder zuletzt am Wochenende wach gesehen
Die wachsende Pendlergemeinschaft hat sich längst organisiert. In der Facebook-Gruppe „RE1-Leidensgenossen“ tauschen sich mittlerweile über 1.200 Mitglieder über die besten Schlafpositionen im Regionalexpress aus und feiern jeden Tag, an dem der Zug weniger als 15 Minuten Verspätung hat, als kleinen Sieg.
ICE-Anbindung? „Brauchen wir nicht“
Auf die Frage, warum man nicht einfach eine ICE-Verbindung nach Hamburg einrichte, reagiert die Stadt gelassen. „Der Charme des Regionalexpress liegt ja gerade in der entschleunigten Anreise“, so der Sprecher. Außerdem sei die aktuelle Verbindung „gut eingefahren“. Dass Lüneburg, eine Kreisstadt in Niedersachsen mit 78.000 Einwohnern, eine bessere Bahnanbindung nach Hamburg hat als die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, sei „nicht vergleichbar“. Immerhin habe man ja gerade erst die Anzeigetafel am Hauptbahnhof modernisiert.
Wirtschaftsexperten bewerten die Pendlerzahlen weniger euphorisch. „Wenn 4.800 Menschen jeden Tag zwei Stunden zur Arbeit fahren, weil es in ihrer Heimatstadt keine entsprechenden Arbeitsplätze gibt, ist das kein Erfolg. Das ist ein Armutszeugnis“, sagte ein Arbeitsmarktforscher, der anonym bleiben wollte, weil er „nicht auf die Abschussliste der Schweriner Stadtmarketing GmbH“ möchte.
Die Stadtverwaltung kündigte an, die Erfolgsgeschichte weiter ausbauen zu wollen. Ab 2027 soll ein zusätzlicher Regionalexpress eingesetzt werden, der die Fahrzeit auf unter 1 Stunde 55 Minuten drücken könnte. „Dann sind wir endgültig Hamburger Vorort“, hieß es aus dem Rathaus. Man wisse nur noch nicht, ob das gut oder schlecht sei.
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