Schwerin. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hat am Montag mit der Einstellung ihres ersten Chief Digital Officers (CDO) einen historischen Schritt in Richtung Zukunft gewagt. Am Donnerstag war der Schritt bereits wieder rückgängig gemacht. Lars-Hendrik Fichtner (34), zuvor tätig bei einem Berliner Tech-Startup, hatte seine Kündigung eingereicht, noch bevor sein Outlook-Postfach vollständig geladen war.
Wie die Stadtverwaltung in einer knapp gehaltenen Pressemitteilung bestätigte, habe Fichtner am ersten Arbeitstag zunächst versucht, sich mit dem städtischen WLAN zu verbinden. Nach 47 Minuten Wartezeit sei ihm mitgeteilt worden, dass das WLAN im Rathaus nur in der Kantine funktioniere, dort allerdings ausschließlich zwischen 11:30 und 13:00 Uhr.
„Ich dachte, das sei ein Onboarding-Witz“
Fichtners Arbeitsplatz im dritten Stock des Rathauses war mit einem Desktop-PC ausgestattet, dessen Betriebssystem laut Seriennummer aus dem Jahr 2009 stammte. Der Monitor zeigte beim Hochfahren kurz das Windows-XP-Logo, bevor er in einen Energiesparmodus wechselte, aus dem er nicht mehr zurückkehrte. Ein LAN-Kabel war vorhanden, führte jedoch zu einer Netzwerkdose, die seit 2017 nicht mehr angeschlossen ist.
Ich habe in meiner Karriere Start-ups gesehen, die in Garagen gegründet wurden. Die hatten besseres Internet als die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns.
Lars-Hendrik Fichtner, Ex-CDO der Stadt Schwerin (Amtszeit: 72 Stunden)
Am zweiten Tag versuchte Fichtner, eine Videokonferenz mit dem Digitalisierungsbeauftragten des Landes abzuhalten. Die Verbindung brach nach acht Sekunden ab. Ein Kollege aus der IT-Abteilung empfahl ihm, für stabile Verbindungen das Café gegenüber zu nutzen, dort gebe es „erstaunlich gutes Eduroam“. Auf die Frage, warum das Rathaus kein vergleichbares Netz habe, verwies der Kollege auf einen Antrag aus dem Jahr 2021, der sich aktuell „im Umlaufverfahren“ befinde.
Upload-Geschwindigkeit: Brieftaube konkurrenzfähig
Die Digitalisierungsstrategie, die Fichtner in seinen 72 Amtsstunden noch entwerfen wollte, scheiterte bereits am Upload des Dokuments. Bei einer gemessenen Upload-Geschwindigkeit von 2,1 Mbit/s hätte das 14-seitige PDF laut Fichtners Berechnung „schneller per Fax übermittelt werden können, wenn denn das Faxgerät nicht ebenfalls defekt wäre“.
Oberbürgermeister-Vertreter Bernd Nottebaum zeigte sich enttäuscht, aber verständnisvoll. Die Stadt habe bereits eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Vorfalls eingesetzt. Immerhin: Bei der Anpassung der Ampelphasen hatte die Stadt zuletzt bewiesen, dass sie durchaus handlungsfähig sein kann. Erste Ergebnisse werden für das vierte Quartal 2028 erwartet.
Wir nehmen die Digitalisierung sehr ernst. Deshalb haben wir den Vorgang handschriftlich dokumentiert und per Hauspost an alle Dezernate verteilt.
Bernd Nottebaum, kommissarischer Oberbürgermeister
Die Stelle des CDO ist ab sofort wieder ausgeschrieben. Als Mindestanforderung wurde neu aufgenommen: „Hohe Frustrationstoleranz sowie Erfahrung mit analogen Arbeitsumgebungen.“ Bewerbungen werden ausschließlich per Post entgegengenommen.
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