Infrastruktur

Schwerin startet Smart-City-Offensive: Eine Parkbank am Pfaffenteich kann jetzt die Uhrzeit anzeigen

Die Landeshauptstadt Schwerin hat einen historischen Schritt in die digitale Zukunft gewagt. Nach dreijähriger Planungsphase und einem Investitionsvolumen von 47.000 Euro wurde am Donnerstag die erste smarte Parkbank Mecklenburg-Vorpommerns feierlich eingeweiht. Das Multifunktionsgerät am Pfaffenteich verfügt über eine LED-Anzeige, die die aktuelle Uhrzeit darstellt, sowie zwei USB-Anschlüsse zum Laden von Mobiltelefonen.

„Das ist der Startschuss für Schwerins digitale Transformation“, verkündete der stellvertretende Bürgermeister Bernd Nottebaum bei der Einweihung vor elf interessierten Bürgern und einem Journalisten der SVZ. Die Bank sei ein „Leuchtturmprojekt“, das zeige, wohin sich Schwerin in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wolle. Immerhin hatte die Stadtverwaltung erst kürzlich ein Farbfax eingeführt und damit Neuland betreten.

Technische Revolution mit Einschränkungen

Die Smart-Bench 3000, ein Modell des estnischen Herstellers DigiFurn, bietet laut Stadtverwaltung „modernste Konnektivität“. Allerdings funktionieren die USB-Anschlüsse nur bei Temperaturen über 5 Grad Celsius, weshalb sie von November bis April deaktiviert bleiben. Die LED-Uhr zeigt ausschließlich die Sommerzeit an, da die Umstellung auf Winterzeit einen kostenpflichtigen Firmware-Update erfordern würde, der nicht im Budget vorgesehen war.

Ich sitze hier seit 40 Jahren auf normalen Bänken. Die konnten auch keine Uhrzeit anzeigen, aber dafür konnte man sich draufsetzen, ohne vorher eine App herunterzuladen.

Werner K., Rentner aus Schwerin

Die erwähnte App namens „SitSmart Schwerin“ sei notwendig, um die Bank zu „aktivieren“, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Ohne Registrierung bleibe die Sitzfläche im Energiesparmodus und werde nicht beheizt. Die Heizfunktion selbst sei allerdings noch nicht freigeschaltet, da die Stadtwerke die Stromversorgung erst im dritten Quartal 2027 fertigstellen werden.

Vergleich mit anderen Städten fällt schwer

Während Städte wie Hamburg, Kopenhagen oder Tallinn flächendeckend kostenloses WLAN, digitale Verwaltungsportale und autonome Busse testen, setzt Schwerin auf eine andere Strategie. „Wir wollen nicht blind Trends hinterherlaufen“, so ein Verwaltungsmitarbeiter. „Eine smarte Bank ist greifbar, die kann man anfassen. Das versteht auch der ältere Bürger.“ Dass das Durchschnittsalter in Schwerin bei 47,6 Jahren liegt, sei dabei kein Zufall, sondern „Zielgruppen-Orientierung“.

Die nächste Phase des Smart-City-Programms sieht vor, bis 2030 zwei weitere Bänke mit USB-Anschlüssen auszustatten. Standorte werden noch geprüft, wobei der Marienplatz wegen „zu geringer Fußgängerfrequenz“ bereits ausgeschlossen wurde. Eine Machbarkeitsstudie für öffentliches WLAN am Hauptbahnhof wurde hingegen auf unbestimmte Zeit verschoben, da die Priorität zunächst auf „bewährten Technologien“ liege.

Die Smart-Bench am Pfaffenteich ist täglich von 9 bis 17 Uhr nutzbar. Bei Regen wird die Uhrzeitanzeige zum Schutz der Elektronik automatisch abgeschaltet.

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