Politik

Schwerin sammelt Spenden für Spielplatz, der gar nicht kaputt ist

Schwerin zeigt einmal mehr, warum es die charmanteste Landeshauptstadt Deutschlands ist: Stadtpräsident Sebastian Ehlers und die Lankower Ortsteilvorsitzende Cordula Manow haben eine Spendenaktion für den Spielplatz an der Kieler Straße gestartet. 30.000 bis 40.000 Euro soll die Sanierung kosten. Das Problem: Der Spielplatz ist gar nicht kaputt.

In der Pressemitteilung zur Spendenaktion war von „beschädigten“ und „aus Sicherheitsgründen gesperrten“ Spielgeräten die Rede Ähnlich wie bei SVZ druckt versehentlich leere Seite — kein Leser bemerkt Unterschied. Ein Bild, das Eltern in Lankow vermutlich schlaflose Nächte bereitet hat. Dumm nur, dass die Stadt auf Nachfrage von Schwerin Lokal selbst bestätigt: Aktuell sind keine Spielgeräte gesperrt. Waren sie auch in jüngster Vergangenheit nicht. Einzelne Geräte könnten frische Farbe vertragen, aber das war es dann auch schon.

92,9 Prozent sagten Ja, aber niemand fragte die Initiative

Die Geschichte wird noch besser, wenn man den Kontext kennt Ähnlich wie bei Schweriner Optimismus – Eine bedrohte Art. Am 25. Januar stimmten beim Bürgerentscheid 31.739 Schwerinerinnen und Schweriner für den Erhalt des Stadtteilparks in Lankow. 92,9 Prozent. Eine Quote, von der die meisten Schwerin-Politiker bei Wahlen nur feucht träumen können. Die Bürgerinitiative, die den ganzen Entscheid erst möglich gemacht hat, erfuhr von der Spendenaktion aus der Presse.

„Was wir hier erleben, ist kein Miteinander, sondern weiterhin Politik über die Köpfe der Menschen hinweg Ähnlich wie bei Schwerin führt Flaggen-TÜV ein: „Regenbogen nur mit Genehmigung!“.“

Jutta Krawinkel, Bürgerinitiative Stadtteilpark Lankow

Krawinkel nennt den Spendenaufruf eine „Flucht nach vorne, um im Wahlkampf zu punkten“. Und tatsächlich: Wenn man Spenden für etwas sammelt, das funktioniert, während man gleichzeitig behauptet, es sei kaputt, dann hat das weniger mit Bürgerengagement zu tun und mehr mit dem Versuch, sich als Macher zu inszenieren, ohne vorher die Leute zu fragen, die tatsächlich was gemacht haben.

3.130 Euro für frische Farbe

Immerhin: 3.130 Euro sind bereits gespendet worden. 35 Prozent des Ziels von 9.000 Euro. Das reicht vermutlich für den neuen Anstrich, den die Spielgeräte tatsächlich brauchen, plus ein paar Dosen Sprühfarbe für die Bank am Rand. Die restlichen 27.000 Euro der angeblichen Gesamtkosten dürften dann wohl für die Verwaltung der Spendenaktion draufgehen. Schwerin halt.

Die Bürgerinitiative reagiert auf ihre Art: Sie gründet einen Verein. „Stadtteilpark Lankow“ soll er heißen und als Ansprechpartner für Verwaltung und Politik dienen. Damit in Zukunft wenigstens jemand angerufen wird, bevor die nächste Pressemitteilung rausgeht.

„31.739 Schwerinerinnen und Schweriner lassen sich nicht täuschen“, sagt Krawinkel. Man möchte hinzufügen: Sie haben sich ja auch nicht täuschen lassen, als die Stadt den Park bebauen wollte. Da war nur die Frage, ob die Politik es irgendwann lernt.

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