Gesellschaft

Schwerin richtet UFO-Meldestelle ein — erste Anrufer melden Straßenbahn als unbekanntes Flugobjekt

Schwerin – Was als routinemäßige Thermografie-Überfliegung des Fernwärmenetzes begann, hat in der Landeshauptstadt eine Kettenreaktion ausgelöst, mit der niemand gerechnet hatte. Nachdem die Stadtwerke ankündigten, ab März nächtliche Drohnenflüge über Krebsförden, Mueßer Holz und Friedrichsthal durchzuführen, gingen innerhalb weniger Stunden über 340 Anrufe besorgter Bürger ein. Die Stadt reagierte prompt und richtete eine „Koordinierungsstelle für unidentifizierte Flugobjekte im urbanen Luftraum Schwerin“ ein — kurz: UFO-Stelle.

„Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst“, erklärte Dezernent für präventive Himmelsüberwachung Klaus-Dieter Frömming bei der Vorstellung der neuen Behörde. „Schwerin ist eine Stadt, in der nachts normalerweise absolut nichts passiert. Wenn dann plötzlich etwas am Himmel leuchtet, ist die Verunsicherung verständlich.“

Straßenbahn sorgt für Massenpanik

Bereits am ersten Abend der Hotline-Schaltung kam es zu einem Zwischenfall, der die Dimension des Problems verdeutlichte. Ein Anwohner aus Lankow meldete gegen 22:47 Uhr ein „langsames, beleuchtetes Objekt, das sich surrend durch die Dunkelheit bewegt und regelmäßig anhält“. Nach dreistündiger Ermittlung stellte sich heraus: Es handelte sich um die letzte Straßenbahn der Linie 1, die ihren Dienst um 23 Uhr beendet.

„In meiner Verteidigung: Ich habe die Straßenbahn seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Ich dachte, die wäre längst eingestellt worden.“

Jens-Uwe K., 58, Lankow

Die UFO-Stelle, die vorübergehend in einem leerstehenden Ladenlokal am Marienplatz untergebracht wurde — „da hatten wir die größte Auswahl“ —, ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr erreichbar. Dass die Drohnenflüge ausschließlich zwischen 23 und 6 Uhr stattfinden, sei „kein Widerspruch, sondern vorausschauende Verwaltung“, so Frömming.

Experten: Außerirdische würden Schwerin meiden

Unterdessen gab der Astrophysiker Prof. Dr. Helmut Wengler von der — nicht in Schwerin existierenden — Universität Entwarnung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine außerirdische Zivilisation ausgerechnet Schwerin anfliegt, liegt statistisch bei null“, erklärte Wengler. „Selbst Lebensformen, die Milliarden Lichtjahre zurücklegen können, würden nach einer kurzen Analyse der Infrastruktur weiterfliegen. Der Mobilfunkempfang allein wäre ein Ausschlusskriterium.“

Die Stadtwerke betonten derweil, die Drohnen dienten ausschließlich der Überprüfung des Fernwärmenetzes mittels Wärmebildkameras. Vizepressesprecher Torsten Wollweber fügte hinzu: „Die Drohnen zeigen uns, wo Wärme entweicht. In Schwerin ist das im Grunde überall — aus den Leitungen, aus den Gebäuden, aus der Stadt insgesamt.“

Ein Sprecher der Landesregierung ließ verlauten, man beobachte die Situation „mit der für Mecklenburg-Vorpommern üblichen Gelassenheit“. Sollten sich die Drohnen tatsächlich als Außerirdische herausstellen, werde man „zeitnah eine interfraktionelle Arbeitsgruppe einsetzen, die bis 2029 Handlungsempfehlungen erarbeitet“.

Die UFO-Meldestelle ist unter der Nummer 0385-UFO-HILF erreichbar. Bitte beachten Sie: Bei Anrufen nach 15 Uhr springt der Anrufbeantworter des Bürgerbüros an, der sich derzeit noch mit „Kfz-Zulassungsstelle“ meldet. Wer die Stadt lieber mit dem ÖPNV verlassen möchte, sollte sich beeilen — der nächste Warnstreik kommt bestimmt.

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