Schwerin wagt den großen Wurf in der Notfallmedizin: Ab sofort werden Shoppingfans zwischen den Einkäufen zu Ersthelfern ausgebildet. Wie die Ostsee-Zeitung berichtet, findet die Aktion direkt im Einkaufszentrum statt – dort, wo das Leben pulsiert, die Herzen schlagen und manchmal auch stillstehen. Endlich eine sinnvolle Nutzung der Zeit zwischen Schuhkauf und Drogeriemarkt.
Die Idee ist so naheliegend wie genial: Wer sowieso schon zwei Stunden durch die Marienplatz-Galerie schlendert, kann zwischendurch auch lernen, wie man einen Menschen wiederbelebt. „Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie sind“, erklärt ein Sprecher der Initiative. „Und sie sind halt beim Shoppen.“ Der logische nächste Schritt wäre vermutlich eine OP-Ausbildung im Möbelhaus.
Stabile Seitenlage zwischen Sonderangeboten
Das Konzept sieht vor, dass Passanten spontan an Erste-Hilfe-Stationen vorbeikommen können – irgendwo zwischen dem Handyladen und dem Bäcker. In wenigen Minuten lernt man dort das Wichtigste: Bewusstlosigkeit erkennen, Notruf absetzen, Herzdruckmassage. Praktischerweise bietet ein Einkaufszentrum auch gleich realistische Übungsbedingungen: erschöpfte Senioren auf Sitzbänken, hyperventilierende Mütter vor dem Spielzeugladen und Menschen, die nach dem Blick auf den Kontoauszug am Bankautomaten zusammenbrechen.
„Ich wollte eigentlich nur neue Socken kaufen. Jetzt kann ich einen Herzstillstand behandeln. Beides wichtig, würde ich sagen.“
Teilnehmerin (47), zufrieden aber leicht verwirrt
Kritiker monieren, dass die Qualität einer Erste-Hilfe-Ausbildung zwischen Schaufensterbummel und Kaffeetrinken leiden könnte. Experten halten dagegen: „Irgendetwas ist besser als nichts. Und nichts ist genau das, was die meisten Deutschen über Erste Hilfe wissen – nämlich das, was sie vor 30 Jahren beim Führerschein gelernt und seitdem erfolgreich verdrängt haben.“
Schwerin: Wo sogar Lebensrettung ein Nebenbei-Erlebnis ist
Die Aktion passt perfekt ins Schweriner Stadtbild, wo ohnehin alles ein bisschen entspannter läuft. Während in Berlin Menschen hetzen und in München Menschen drängeln, schlendert man in Schwerin. Da kann man auch mal kurz einen Dummy reanimieren, bevor es weiter zum Discounter geht. Work-Life-Balance, aber für Notfälle.
Ob die Aktion langfristig Erfolg hat, wird sich zeigen. Fest steht: Die Quote derjenigen, die im Notfall helfen statt filmen, könnte steigen. Wobei – wer sein Handy schon zum Bezahlen in der Hand hat, macht vielleicht doch lieber ein TikTok von der Reanimation. Aber immerhin: In Schwerin weiß man dann wenigstens, wie es eigentlich richtig ginge.
Die nächste Ausbaustufe ist bereits in Planung: Ein Defibrillator-Seminar im Fitnessstudio („Sie sind sowieso schon am Schwitzen“) und ein Kurs zur psychologischen Erstversorgung im Wartezimmer des Bürgerbüros („Hier kennt man Leid“).
Quelle: Ostsee-Zeitung Schwerin
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