Die Landeshauptstadt Schwerin startet eine bundesweite Kampagne, um Freiberufler und Remote Worker in die Stadt zu locken. Unter dem Slogan „Schwerin: Fokus ohne Kompromisse“ wirbt die Wirtschaftsförderung gezielt um junge Fachkräfte, die ortsunabhängig arbeiten. Das zentrale Verkaufsargument: günstige Mieten, ruhige Umgebung und, Zitat, „die produktivste Arbeitsatmosphäre Deutschlands, weil es hier schlicht nichts gibt, was Sie von der Arbeit abhalten könnte.“
Stadtmarketing entdeckt die Leere als Standortvorteil
Was andere Städte als Problem betrachten würden, verkauft Schwerin als Feature. „Kein Nachtleben, keine hippen Cafés, keine Ablenkung durch kulturelle Überangebote“, heißt es in der offiziellen Broschüre, die am Montag vorgestellt wurde. Ein eigens eingerichteter Co-Working-Space in einem seit 2019 leerstehenden Ladenlokal am Marienplatz soll die ersten Pioniere empfangen. Die Ausstattung: acht Schreibtische, eine Kaffeemaschine und ein WLAN-Router, der laut Stadtverwaltung „meistens funktioniert.“
Die ersten Reaktionen fielen gemischt aus. Ein 34-jähriger UX-Designer aus Hamburg, der die Stadt für einen Probetag besuchte, berichtete: „Ich habe tatsächlich zwölf Stunden durchgearbeitet. Nicht aus Disziplin, sondern weil ich nach dem Schloss und dem Pfaffenteich keine Idee mehr hatte, was ich sonst tun soll.“ Er habe dann noch den Artikel über die Frage, was man in Schwerin eigentlich unter 30 macht, gelesen und „ehrlich gesagt keine Antwort gefunden.“
„Andere Städte werben mit Work-Life-Balance. Wir werben mit Work-Work-Balance. In Schwerin arbeiten Sie nicht, um zu leben. Sie arbeiten, weil es die einzige Beschäftigung ist.“
Dr. Martin Kleist, Leiter der Wirtschaftsförderung Schwerin (fiktiv)
Zielgruppe unerwartet verschoben
Statt der erhofften Tech-Freelancer meldeten sich bisher vor allem Frührentner, die „auch mal was mit Computer machen“ wollen, sowie drei Studierende aus Rostock, die einen ruhigen Ort für ihre Bachelorarbeit suchen. Die Stadt zeigt sich dennoch optimistisch und verweist darauf, dass immerhin mehr Interessenten zusammengekommen seien als bei der letzten Arbeitsgruppe gegen Abwanderung, deren Mitglieder bekanntlich selbst nach Hamburg gezogen waren.
Kritiker bemängeln, dass Schwerin als Remote-Standort ein entscheidendes Problem übersehe: Wer ortsunabhängig arbeiten kann, wählt in der Regel einen Ort, an dem man auch leben will. Die Stadt hält dagegen und verweist auf den stadteigenen KI-Chatbot, der mittlerweile umprogrammiert wurde und bei der Frage „Soll ich nach Schwerin ziehen?“ nicht mehr „Nein“ antwortet, sondern „Kommt drauf an, wie viel Sie arbeiten wollen.“
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