Infrastruktur

Schwerin legt alle vier Straßenbahnlinien zu einer einzigen zusammen: „Spart Verwirrung“

Schwerin. Die Landeshauptstadt wagt einen revolutionären Schritt in der Verkehrspolitik: Ab April sollen alle vier Straßenbahnlinien zu einer einzigen Linie zusammengelegt werden. Die Stadtverwaltung verspricht sich davon „deutlich weniger Verwirrung“ bei Fahrgästen und „massive Einsparungen“ im Liniennetzplan-Druck. Die Reform sei das „größte Infrastrukturprojekt seit der Bundesgartenschau 2009“.

„Die Leute konnten die vier Linien eh nicht auseinanderhalten“

„Wir haben eine umfangreiche Bürgerbefragung durchgeführt“, erklärte Verkehrsdezernent Holger Preuß bei der Vorstellung des Konzepts am Freitagabend. „83 Prozent der Befragten wussten nicht, dass wir vier Linien haben. 41 Prozent dachten, es sei nur eine. 12 Prozent wussten nicht einmal, dass Schwerin eine Straßenbahn hat. Da lag die Lösung quasi auf der Hand.“

Die neue „Linie S“ soll künftig sämtliche Strecken im Stadtgebiet bedienen. Das S steht wahlweise für „Schwerin“, „simpel“ oder „sowieso egal“. Fahrplanmäßig bedeutet das: Eine einzige Bahn schlängelt sich durch alle bisherigen Routen, bevor sie am Hauptbahnhof wieder von vorne beginnt. Experten schätzen die Rundfahrtzeit auf knapp drei Stunden.

„Drei Stunden? Da bin ich ja schneller zu Fuß. Aber ich fahr trotzdem. Wegen der Gesellschaft.“

Rentnerin Ingrid Möller (74) aus Lankow

Rostock hat sechs Tramlinien, „aber wer zählt schon mit?“

Auf den Vergleich mit Rostock angesprochen, wo das Straßenbahnnetz allein sechs Linien umfasst, reagierte Preuß gelassen: „Quantität ist nicht Qualität. Wir haben bald eine Linie, und die funktioniert. Meistens. Und wenn nicht, weiß man wenigstens sofort, welche Linie schuld ist.“

Die Schweriner Nahverkehr GmbH betonte, dass die Umstellung auch ökologische Vorteile habe. „Wir drucken künftig nur noch einen Fahrplan statt vier. Das spart jährlich geschätzt 200 Blatt Papier“, so ein Sprecher stolz. Der neue Fahrplan passe auf eine einzelne Postkarte und sei damit „auch tourismusfreundlich. Die zwei Touristen pro Woche finden sich jetzt sofort zurecht.“

Erste Stimmen aus der Bürgerschaft forderten bereits eine Ausweitung des Konzepts. Stadtvertreter Karl-Heinz Busch (CDU) schlug vor, auch die vier Buslinien zusammenzulegen: „Dann hätte Schwerin exakt zwei ÖPNV-Linien. Das wäre übersichtlich. Dafür braucht man nicht mal eine App.“

Ob die Schweriner die Änderung überhaupt bemerken werden, ist nach Einschätzung der Stadtverwaltung „eher unwahrscheinlich“. Die Umbenennung der digitalen Haltestellen-Anzeigen soll bis 2029 abgeschlossen sein. Bis dahin empfiehlt die Stadt, „einfach einzusteigen und sich überraschen zu lassen.“

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