Schwerin kann nicht feiern. Das ist keine Übertreibung und kein Gefühl. Das ist Fakt.
Am vergangenen Wochenende hat ein Schweriner Unternehmer Geburtstag gefeiert. Nicht irgendein Geburtstag – einer, bei dem man sich was gönnt. Edelpizzeria, Clubs, Kempinski Hotel Adlon. Rund 30 Gäste aus seinem engsten Kreis. Der Mann hätte das Geld liebend gern in Schwerin gelassen. Hat er aber nicht. Konnte er nicht.
Denn Schwerin hat schlicht keine Gastronomie, die so etwas leisten kann.
Moët bis Magdeburg
Für die gemeinsame Anreise nach Berlin hat der Gastgeber sämtliche Champagner-Reserven Moët aufgekauft, die Schwerin zu bieten hatte. Sämtliche. Die gesamte Stadt, leergeräumt. Das Ergebnis: Der Vorrat reichte nicht einmal bis zur Autobahnauffahrt. Irgendwo zwischen Schwerin und Wittstock war Schluss mit prickeln.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern – UNESCO-Welterbe, Residenzensemble, Perle am See – kann nicht genug Champagner vorhalten, um 30 Leute auf einer zweistündigen Autofahrt zu versorgen.
30 Leute, null Optionen
Dabei ging es nicht um eine Gala mit 500 Gästen. Nicht um ein Firmenjubiläum mit Feuerwerk. 30 Personen. Ein gehobenes Abendessen, eine Bar danach, ein ordentliches Hotel. Das ist in jeder deutschen Großstadt ein Telefonat und eine Kreditkarte. In Schwerin ist es eine logistische Unmöglichkeit.
Welches Restaurant hätte es sein sollen? Das eine, das um 21 Uhr zumacht? Oder das andere, das montags bis donnerstags geschlossen hat? Und danach? In welchen Club? Den einen, der seit 2019 zu ist, oder den anderen, den es nie gab?
Stadtfest: Der ewige Traum
Besonders bitter wird es, wenn man in Richtung Rathaus schaut. Dort plant die Stadtverwaltung beziehungsweise das Stadtmarketing seit Jahren ein Stadtfest. Geplant von Leuten, die in ihrem Leben noch nie eine Veranstaltung in Schwerin umgesetzt haben, bei der sie eigenes Geld riskieren mussten. Immer nur mit Steuergeldern. Und selbst das hat bisher nicht gereicht.
Schwerin hat kein Stadtfest. Die Landeshauptstadt. Kein Stadtfest.
Rostock hat die Hanse Sail. Wismar hat das Hafenfest. Güstrow hat den Barlachmarkt. Schwerin hat einen Weihnachtsmarkt und die leise Hoffnung, dass irgendwann mal jemand kommt, der weiß, wie man sowas macht.
Geld da, Stadt nicht
Der Unternehmer hat an diesem Wochenende vermutlich einen mittleren fünfstelligen Betrag in Berlin gelassen. Geld, das Schweriner Gastronomen, Hotels und Taxifahrer gut hätten gebrauchen können. Aber Schwerin konnte das Angebot nicht machen. Nicht weil der Wille fehlt – sondern weil es die Infrastruktur schlicht nicht gibt.
Und das ist vielleicht die ehrlichste Zusammenfassung dieser Stadt: Es gibt Menschen hier, die feiern wollen und das Geld dafür haben. Sie müssen nur dafür woanders hinfahren.
Schwerin ist nicht arm. Schwerin ist leer.
Solange die Stadt das nicht begreift, werden Geburtstage in Berlin gefeiert, Champagner auf der A24 getrunken und Steuergelder in Stadtfest-Konzepte gesteckt, die nie umgesetzt werden. Prost.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
