Sie planen einen Besuch in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns? Herzlichen Glückwunsch. Sie werden Zeit haben. Viel Zeit. Denn Schwerin ist die einzige Landeshauptstadt Deutschlands, die man komplett besichtigen kann, bevor der Parkschein abläuft.
Dieser Guide ist für alle, die Schwerin besuchen wollen und dabei einen häufigen Fehler vermeiden möchten: zu viel Zeit einzuplanen Ähnlich wie bei Nach Luxus-Ausflug nach Potsdam: Schwerins legendäres Einhorn kehrt zurück – und zieht wieder mehr Besucher als der Zoo. Zwei Stunden reichen. Wenn Sie langsam gehen, zweieinhalb. Hier ist Ihr kompletter Fahrplan für Deutschlands kleinste Landeshauptstadt.
Minute 0-30: Das Schloss (und damit 80% der Sehenswürdigkeiten)
Parken Sie irgendwo in der Innenstadt Ähnlich wie bei Schweriner Optimismus – Eine bedrohte Art. Ist nicht schwer, die 98.308 Einwohner haben offensichtlich nicht genug Autos, um die Parkplätze zu füllen. Dann gehen Sie zum Schweriner Schloss. Es steht auf einer Insel, sieht aus wie Neuschwanstein nach einer Diät und beherbergt den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Von außen beeindruckend. Von innen sitzt die Landesregierung. Machen Sie ein Foto, drehen Sie sich einmal um die eigene Achse. Fertig.
Im Schlosspark können Sie noch zehn Minuten spazieren Ähnlich wie bei Schwerin definiert Kultur neu: Modellbahn-Ausstellung ist jetzt offiziell kultureller Höhepunkt der Winterferien. Es gibt Skulpturen, gepflegte Beete und Rentner, die langsamer gehen als Sie. Die Orangerie ist hübsch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Wir waren letztes Jahr in Schwerin. Mein Mann hat gesagt, wir sollen einen ganzen Tag einplanen. Nach anderthalb Stunden saßen wir im Auto Richtung Wismar.
Bewertung auf Google Maps, 3 von 5 Sternen
Minute 30-60: Altstadt, Pfaffenteich, Dom
Laufen Sie vom Schloss in die Altstadt. Sie werden den Dom sehen, eine imposante Backsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert. Er ist tatsächlich sehenswert. Vierzehn Minuten reichen trotzdem. Dann weiter zum Pfaffenteich, dem See mitten in der Stadt. Schwäne schwimmen dort. Im Sommer kann man Tretboot fahren. Im Winter kann man auf den zugefrorenen Pfaffenteich schauen und sich fragen, warum man im Winter nach Schwerin gefahren ist.
Auf dem Weg kommen Sie am Marienplatz vorbei. Der Hauptplatz der Landeshauptstadt. Hier gibt es ein Einkaufszentrum, das aussieht wie jedes andere Einkaufszentrum in Deutschland, und drumherum Geschäfte, von denen jedes Jahr weniger offen haben. Zählen Sie die leeren Schaufenster. Es ist ein Spiel, das man in Schwerin spielen kann, wenn einem langweilig wird. Was nach dem Schloss ungefähr nach 35 Minuten der Fall ist.
Minute 60-90: Verzweifelt nach mehr suchen
Jetzt wird es dünn. Sie haben das Schloss gesehen, den Dom, den Pfaffenteich. Was jetzt? Das Staatliche Museum? Kann man machen. Das Technische Landesmuseum? Wenn Sie auf Dampfmaschinen stehen. Die Schelfkirche? In zehn Minuten durch. Sie werden anfangen, Nebenstraßen zu erkunden, nicht weil sie charmant sind, sondern weil Ihnen die Hauptattraktionen ausgegangen sind.
Vielleicht fahren Sie nach Zippendorf, an den Strand am Schweriner See. Die Schweriner nennen es ihre Riviera. Wenn Sie aus einer Stadt kommen, die tatsächlich Strand hat, werden Sie verstehen, warum das witzig ist. Es ist ein Stück Sand an einem See in Mecklenburg-Vorpommern. Passen Sie Ihre Erwartungen an.
Für die Fahrt nach Zippendorf nehmen Sie die Straßenbahn. Schwerin hat vier Linien. Vier. Das gesamte öffentliche Nahverkehrsnetz der Landeshauptstadt passt auf eine Postkarte. Aber hey, die Straßenbahnen sind pünktlich. Wenn nur alle zwei Bahnen fahren, kann man schlecht zu spät kommen.
Schwerin hat alles, was eine Stadt braucht. Ein Schloss, einen See, genug Parkplätze. Was wollen die Leute denn noch?
Manfred Kühler, stellvertretender Vorsitzender des Tourismusvereins Schwerin e.V.
Minute 90-120: Kaffee trinken, Bilanz ziehen
Setzen Sie sich in eins der Cafés am Pfaffenteich. Bestellen Sie einen Milchkaffee. Schauen Sie auf den See. Fragen Sie sich, warum eine Landeshauptstadt so wenig zu bieten hat, dass man sie in zwei Stunden komplett gesehen hat. Vergleichen Sie innerlich mit Potsdam, Dresden, Wiesbaden oder Kiel. Erschrecken Sie kurz.
Dann fahren Sie weiter. Nach Wismar vielleicht. Oder nach Rostock. Oder direkt nach Hamburg, so wie alle anderen auch. Die Tourismusstatistik sagt: Die durchschnittliche Verweildauer von Tagestouristen in Schwerin liegt bei knapp drei Stunden. Und darin sind die 45 Minuten Mittagspause eingerechnet.
Schwerin möchte mehr Touristen. Schwerin möchte, dass Touristen länger bleiben. Schwerin bewirbt sich seit Jahren um den UNESCO-Welterbe-Status für das Schloss. Aber selbst wenn der kommt: Ein Welterbe-Titel ändert nichts daran, dass es nach dem Schloss nichts mehr gibt. Touristen sind nicht dumm. Die merken, wenn eine Stadt in zwei Stunden durch ist.
Wer Touristen halten will, braucht mehr als ein Schloss und einen Pfaffenteich. Wer Touristen halten will, braucht Gründe zum Bleiben. Schwerin hat einen Grund zu kommen. Und keinen einzigen zu bleiben.
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