Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Mittwoch feierlich die „Task Force Zukunft Schwerin 2030“ ins Leben gerufen. Die mit sieben Experten besetzte Arbeitsgruppe soll innovative Konzepte erarbeiten, um den seit Jahrzehnten andauernden Bevölkerungsschwund zu stoppen. Bereits bei der konstituierenden Sitzung zeigten sich allerdings unvorhergesehene logistische Schwierigkeiten: Sämtliche Mitglieder nahmen per Videokonferenz aus Hamburg teil.
Konstituierende Sitzung mit Elbblick
Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage bestätigte, hat sich die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe „dynamisch entwickelt“. Von den ursprünglich sieben benannten Mitgliedern seien zwischen Ernennung und erster Sitzung sechs nach Hamburg und eine Person nach Berlin gezogen. „Das ist kein Widerspruch“, erklärte Projektleiter Lars Wendemuth (34) per Zoom aus seiner Altona-WG. „Wir kennen die Abwanderungsproblematik dadurch ja aus erster Hand. Wer könnte das Thema besser verstehen als wir?“
Die erste Sitzung wurde nach 47 Minuten abgebrochen, weil drei Teilnehmer zur Arbeit mussten und ein weiterer seinen Hund im Hamburger Stadtpark ausführen wollte. Ein Protokoll existiert nicht, da die zuständige Schriftführerin ihren Laptop noch nicht ausgepackt hatte. Sie war erst am Wochenende umgezogen.
„Ich wollte ja in Schwerin bleiben. Aber dann hab ich mir die Jobangebote angesehen, und die Auswahl war: Landesregierung, Schlossführer oder Straßenbahnfahrer. Da fährt man dann halt lieber den Metronom.“
Sarah Kröger (28), Task-Force-Mitglied und ehemalige Schwerinerin
98.308 Einwohner und sieben weniger
Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum zeigte sich trotz der Umstände optimistisch. „Remote-Arbeit ist die Zukunft. Dass unsere Anti-Abwanderungs-Experten selbst abgewandert sind, zeigt nur, wie innovativ wir denken.“ Die Arbeitsgruppe werde ihre Ergebnisse im Herbst 2026 präsentieren. Der Veranstaltungsort steht noch nicht fest, Hamburg sei aber „aus logistischen Gründen im Gespräch“.
Die oppositionelle CDU-Fraktion kritisierte das Projekt scharf. Fraktionschef Peter Meinke forderte, die Arbeitsgruppe müsse „selbstverständlich vor Ort in Schwerin tagen“. Auf Nachfrage räumte er ein, seinen Zweitwohnsitz kürzlich nach Lübeck verlegt zu haben. „Aber nur wegen der Autobahnanschlüsse.“
Schwerin, derzeit bei 98.308 Einwohnern und damit offiziell nicht einmal mehr Großstadt, hat in den letzten drei Jahrzehnten fast 30.000 Einwohner verloren. Die Stadtverwaltung betonte, man werde trotzdem an dem Projekt festhalten. Eine zweite Arbeitsgruppe, die prüfen soll, warum die erste Arbeitsgruppe nach Hamburg gezogen ist, wird derzeit zusammengestellt. Erste Interessenten haben sich allerdings bereits aus München gemeldet.
Titelbild: KI-generiert zur Veranschaulichung
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