Die Stadt Schwerin hat zum 1. März einen offiziellen Stadteintritt von 4,50 Euro eingeführt. Das Pilotprojekt sollte die chronisch unterfinanzierte Stadtkasse aufbessern und gleichzeitig das „touristische Erlebnis wertschätzen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Am ersten Tag wurde genau ein Ticket verkauft.
Der Käufer, ein 58-jähriger Berufspendler aus Lübeck, der eigentlich nur zum Umsteigen am Hauptbahnhof war, betrat gegen 10:14 Uhr das offizielle Stadtgebiet und verließ es um 11:01 Uhr wieder. Um 11:03 Uhr ging sein Erstattungsantrag ein. Begründung: „Ich habe das Schloss gesehen. Dann war ich fertig. 47 Minuten sind zu viel für 4,50 Euro.“
Dezernent für Tourismusoptimismus verteidigt Projekt
Schwerins neu geschaffener Dezernent für Tourismusoptimismus, Klaus-Dieter Hoffnungsvoll, wies die Kritik zurück. Schwerin biete „weit mehr als ein Schloss“. Auf Nachfrage, was genau, blätterte er 45 Sekunden in seinen Unterlagen und verwies schließlich auf den Pfaffenteich, „der bei bestimmten Lichtverhältnissen durchaus fotogen“ sei.
Wir haben einen See, ein Schloss und eine Innenstadt, die nach 18 Uhr eine meditative Ruhe ausstrahlt, die man sonst nur in Klöstern findet. Das ist kein Bug, das ist ein Feature.
Klaus-Dieter Hoffnungsvoll, Dezernent für Tourismusoptimismus
Das Erstattungsformular, das die Stadt vorsorglich in einer Auflage von 5.000 Stück hatte drucken lassen, war nach Angaben des Bürgerbüros „das mit Abstand am besten durchdachte Dokument, das die Verwaltung je produziert hat“. Es enthält unter anderem die Felder „Erwartete Erlebnisdauer“, „Tatsächliche Erlebnisdauer“ und „Hätten Sie Schwerin auch kostenlos verlassen?“.
Onlinebewertungen vernichtend
Auf Google Reviews häuften sich derweil Kommentare, die den Stadteintritt als „überteuert“ bezeichneten. Ein Nutzer schrieb: „Für 4,50 bekommt man in anderen Städten ein Museumsticket. In Schwerin bekommt man dafür das Gefühl, in einer sehr gepflegten Geisterstadt gelandet zu sein.“ Ein anderer empfahl: „Spart euch den Eintritt und guckt euch das Schloss auf Wikipedia an. Gleicher Effekt, bessere Auflösung.“
Die Stadtvertretung hat bereits eine interfraktionelle Arbeitsgruppe gegründet, die bis 2028 prüfen soll, ob der Eintritt auf 2,50 Euro gesenkt oder alternativ ein „Trostpreis-Modell“ eingeführt werden könnte: Wer länger als 90 Minuten bleibt, bekommt das Geld zurück. Bisherige Hochrechnung der Erstattungsquote: 97 Prozent.
Eine Online-Petition, den Stadteintritt durch einen „Austrittsbonus“ zu ersetzen, bei dem Besucher Geld bekommen, wenn sie trotzdem kommen, hat bereits 8.000 Unterschriften. Die meisten davon aus Schwerin selbst.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
