Kurioses

Schwerin führt offizielle Montags-Schonzeit ein: Produktivität ab 11 Uhr optional

Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hat heute in einer Pressemitteilung verkündet, was eigentlich längst gelebte Praxis ist: Ab sofort gilt montags bis 11 Uhr eine offizielle Schonzeit für alle städtischen Aktivitäten. „Wir wollen ehrlich zu unseren Bürgern sein“, so ein Sprecher der Stadtverwaltung bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag. „Montags vor 11 Uhr läuft hier eh nichts. Jetzt machen wir es offiziell.“

Die neue Regelung sieht vor, dass sämtliche städtischen Einrichtungen montags erst ab 11 Uhr ihre volle Arbeitsfähigkeit erreichen müssen. Bis dahin gilt eine Übergangsphase, in der reduzierte Erwartungen die Norm sind. Bürgerservice-Mitarbeiter dürfen in dieser Zeit langsamer sprechen, Formulare müssen nicht zwingend gefunden werden, und Rückfragen werden grundsätzlich mit „Rufen Sie nochmal an“ beantwortet.

Stadtvertretung sieht sich bestätigt

Die Stadtvertretung, die montags traditionell gar nicht tagt, begrüßte den Beschluss einstimmig – allerdings erst am Donnerstag, als das Protokoll verlesen wurde. „Das ist gelebte Bürgernähe“, erklärte ein Stadtvertreter, der anonym bleiben möchte. „Wir passen uns den Lebensrealitäten an. Und die Realität ist: Montagmorgen in Schwerin ist wie Sonntag in anderen Städten, nur mit schlechterem Gewissen.“

Tatsächlich zeigen interne Erhebungen der Stadtverwaltung, dass die durchschnittliche Produktivität montags vor 11 Uhr bei etwa 12 Prozent liegt – und das nur, weil die Kaffeemaschinen bereits ab 8 Uhr laufen. „Wir haben uns gefragt: Warum tun wir so, als würde hier was passieren?“, so eine Mitarbeiterin aus dem Ordnungsamt. „Jetzt können wir ehrlich sein. Das ist befreiend.“

Montags vor 11 ist Schwerin wie ein Bildschirmschoner. Optisch anwesend, funktional im Standby.

Klaus Petermann, Rentner am Pfaffenteich

NVS verkürzt Takt auf 30 Minuten

Auch die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) reagiert auf die neue Regelung: Montags bis 11 Uhr wird der Takt auf 30 Minuten verlängert. „Wir passen uns der Nachfrage an“, erklärt Geschäftsführer Wilfried Eisenberg. „Und die Nachfrage ist: kaum vorhanden.“ Fahrgäste, die trotzdem zur Arbeit müssen, werden gebeten, Verständnis zu zeigen. „Unsere Fahrer brauchen auch Zeit, um in den Montag zu finden“, so Eisenberg weiter.

Besonders bemerkenswert: Die Stadt plant, die eingesparten Produktivitätsstunden nicht etwa nachzuholen, sondern als „strukturelle Effizienzgewinne durch Erwartungsmanagement“ zu verbuchen. „Wenn niemand erwartet, dass etwas passiert, kann auch niemand enttäuscht werden“, erklärt die Pressestelle. „Das ist moderne Verwaltungsführung.“

Kritik kommt unterdessen von der IHK: „Andere Städte arbeiten montags produktiv durch, während Schwerin offiziell die Füße hochlegt.“ Die Stadtverwaltung kontert gelassen: „Andere Städte behaupten, sie würden produktiv arbeiten. Wir sind einfach ehrlicher.“ Ein Argument, das in Schwerin durchaus verfängt: In einer spontanen Umfrage am Marienplatz – durchgeführt am Dienstagnachmittag, weil montags dort eh niemand ist – äußerten sich 78 Prozent der Befragten zustimmend.

Die neue Regelung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft, wobei „sofortige Wirkung“ in Schwerin traditionell bedeutet: irgendwann in den nächsten Wochen, montags aber definitiv nicht vor 11 Uhr.

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