Schwerin. In einer Sondersitzung am Valentinstag hat die Stadtvertretung einstimmig eine bundesweit einmalige Verordnung verabschiedet: Ab dem 1. März 2026 dürfen Singles unter 40 die Stadtgrenzen nicht mehr ohne genehmigten Partnerschaftsnachweis passieren. Die sogenannte „Beziehungserhaltungsverordnung“ (BezErhVO) soll die dramatische Abwanderung junger Menschen stoppen.
Amt für Paarbindung nimmt Arbeit auf
„Wir haben alles versucht: Jobmessen, Imagekampagnen, sogar kostenloses WLAN am Pfaffenteich“, erklärte Dezernent für demografische Schadensbegrenzung Holger Wittke bei einer Pressekonferenz im Schlossgarten. „Nichts hat funktioniert. Also greifen wir jetzt auf die einzige Ressource zurück, die Schwerin im Überfluss hat: Einsamkeit.“
Das neu geschaffene „Amt für Paarbindung und Abwanderungsprävention“ residiert ab sofort im Erdgeschoss des Schweriner Schlosses, direkt neben dem Souvenirladen. Vier Sachbearbeiterinnen und ein Praktikant werden künftig Beziehungsanträge prüfen, Partnerschaftszertifikate ausstellen und im Notfall auch selbst verkuppeln.
Wir haben eine Datenbank mit allen 47 Singles unter 30 in Schwerin angelegt. Theoretisch ergeben sich daraus 1.081 mögliche Paarungen. Praktisch kennen sich alle bereits vom einzigen Supermarkt, der nach 20 Uhr noch offen hat.
Annegret Funke, Leiterin des Amts für Paarbindung
Die Verordnung sieht vor, dass jeder unverheiratete Schweriner zwischen 18 und 40 Jahren bei Verlassen des Stadtgebiets einen „Rückkehrbürgschaftsschein“ vorlegen muss. Dieser wird nur ausgestellt, wenn der Antragsteller nachweisen kann, dass mindestens eine emotional bedeutsame Beziehung ihn an Schwerin bindet. Haustiere zählen nicht, Zimmerpflanzen ab einer Größe von 1,20 Meter schon.
Kontrollposten an der B321 bereits in Planung
An den Hauptausfallstraßen sollen mobile Kontrollposten eingerichtet werden. Geschultes Personal des Ordnungsamtes wird Ausreisende nach ihrem Beziehungsstatus befragen und bei Bedarf Fotos des Partners verlangen. „Wir akzeptieren auch Screenshots von WhatsApp-Verläufen, solange das letzte Herzchen-Emoji nicht älter als 48 Stunden ist“, präzisierte Funke die Nachweispflicht.
Der Schweriner Hauptbahnhof bekommt eine eigene „Emotionskontrolle“ zwischen Gleis 2 und dem geschlossenen Kiosk. Reisende Richtung Hamburg, dem beliebtesten Fluchtziel junger Schweriner, müssen dort einen zweiseitigen Fragebogen ausfüllen. Frage 7 lautet: „Beschreiben Sie in eigenen Worten, warum Schwerin lebenswert ist.“ Wer länger als 30 Sekunden überlegen muss, wird zurückgeschickt.
Ich wollte eigentlich nach Berlin ziehen, aber jetzt muss ich erstmal jemanden finden, der bereit ist, mit mir in Schwerin zu bleiben. Das ist ungefähr so realistisch wie ein ICE-Anschluss bis 2030.
Tim K. (26), gelernter Mediengestalter, einziger in seiner Altersgruppe im Stadtteil Lankow
Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum begrüßte die Maßnahme mit den Worten: „Andere Städte investieren in Infrastruktur, Arbeitsplätze und Kultur. Wir setzen auf das, was wirklich bindet: zwischenmenschliche Abhängigkeit.“ Die Stadt plane außerdem, die städtische Dating-App mit dem Einwohnermeldeamt zu verknüpfen. Ein Match würde dann automatisch als Nebenwohnsitz-Anmeldung gelten.
Die Verordnung tritt am 1. März in Kraft. Betroffene Singles können bis dahin noch ohne Nachweis ausreisen, sofern sie versprechen, wenigstens eine Postkarte zu schicken.
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