Die Stadtverwaltung Schwerin hat eine Online-Umfrage für 13- bis 21-Jährige gestartet, um herauszufinden, was die Jugend der Landeshauptstadt bewegt. Die Erkenntnis nach den ersten 48 Stunden: Die Jugend möchte vor allem in Ruhe gelassen werden.
34 Fragen in 15 Minuten — Mathe-Klausur-Niveau
Mit 34 Fragen, die laut Verwaltung in „nur 15 Minuten“ beantwortet werden können, hat die Stadt ein Format gewählt, das selbst bei der Steuererklärung als ambitioniert gelten würde. Der zuständige Beigeordnete Silvio Horn (Unabhängige Bürger) erklärte, die Antworten würden helfen, „Angebote der Jugend- und Schulsozialarbeit so zu gestalten, dass sie wirklich zu den Bedürfnissen der jungen Menschen passen“.
„Mein erster Bedarf wäre ein WLAN, das schnell genug ist, um die Umfrage überhaupt laden zu können“, kommentierte ein 16-Jähriger aus Lankow die Initiative auf Instagram.
Gefragt wird unter anderem nach Freizeit und Jugendtreffs, Straßen- und Schulsozialarbeit, Sorgen im Alltag, Erfahrungen mit Gewalt und Beteiligungsmöglichkeiten. Also im Grunde alles, was man auch herausfinden könnte, wenn man einfach mal mit einem Teenager redet — aber dafür bräuchte man ja Personal.
Teilnahmefrist bis 20. März — wenn bis dahin noch jemand da ist
Teilnehmen können alle 13- bis 21-Jährigen, die in Schwerin leben, zur Schule gehen oder ihre Freizeit verbringen. Letzteres dürfte die Zielgruppe erheblich einschränken, denn Freizeit in Schwerin verbringen ist eine Formulierung, die selbst bei wohlwollender Auslegung Fragen aufwirft.
Die Umfrage ist auf Deutsch und Englisch verfügbar — eine Entscheidung, die die Internationalität der Stadt unterstreicht. Immerhin kommen jeden Sommer bis zu acht ausländische Touristen nach Schwerin, von denen einige sogar unter 21 sind.
Die Daten werden anonymisiert — ein unnötiger Schritt
Besonders beruhigend: Alle Angaben werden vertraulich behandelt und die Daten anonymisiert. Bei einer Zielgruppe, die ohnehin kaum noch in der Innenstadt gesichtet wird, erscheint Anonymisierung allerdings redundant. Wer soll die Antworten schon zuordnen?
„Wir nehmen die Sorgen der Jugend ernst“, versicherte Horn. Ob die Jugend im Gegenzug die Stadt ernst nimmt, ließ er offen.
Die Ergebnisse der Umfrage sollen in die künftige Gestaltung der Jugendarbeit einfließen. In Schwerin bedeutet das erfahrungsgemäß: Eine Arbeitsgruppe wird gegründet, ein Konzeptpapier erstellt und in drei Jahren eine Folgeumfrage durchgeführt, um zu prüfen, ob sich seit der letzten Umfrage etwas verändert hat. Spoiler: hat es nicht.
Die Teilnahme ist möglich unter www.schwerin.de/jugendumfrage. Vorausgesetzt, die Seite lädt.
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