Während andere Städte ihre Winterdienstfahrzeuge zum Schneeschieben einsetzen, hat Schwerin eine weitaus kreativere Verwendung gefunden: Schlaglöcher flicken. Denn wo kein Schnee liegt, liegt bekanntlich kaputter Asphalt.
Bitumen statt Streusalz: Schwerin setzt Prioritäten
Wie der NDR berichtet, nutzt der Schweriner Winterdienst die aktuelle Schneepause, um sich dem eigentlichen Dauerproblem der Landeshauptstadt zu widmen: den Kratern, die sich in Schwerins Straßen so zahlreich finden, dass Google Maps sie bereits als Sehenswürdigkeiten markieren möchte. Zehn bis zwölf Löcher schafft das Team pro Tag — eine Zahl, die in Schwerin bereits als „ambitioniert“ gilt.
„Die Bitumenmasse ist nur eine Notlösung, damit die Schäden nicht noch größer werden“, erklärte ein Sprecher des Winterdienstes. Was er nicht sagte: In Schwerin ist die Notlösung seit ungefähr 1997 der Normalzustand.
Ein Mathematik-Professor der Universität Rostock hat sich die Mühe gemacht, die Rechnung aufzustellen: Bei geschätzten 14.000 Schlaglöchern im Stadtgebiet und einer Reparaturquote von zwölf pro Tag — abzüglich Wochenenden, Feiertagen, Urlaub und Tagen, an denen es dann doch wieder schneit — wären Schwerins Straßen im Jahr 2089 vollständig geflickt. Vorausgesetzt, es kommen keine neuen dazu. Was natürlich Unsinn ist, denn allein der Schweriner Baustellenkreislauf produziert täglich mindestens 15 neue.
Winterdienst oder Straßenbau? In Schwerin dasselbe
Besonders pikant: Der Winterdienst kann die Schlaglöcher nur dann flicken, wenn er gerade nicht Schnee räumen muss. Sprich: Die Straßen werden nur besser, wenn das Wetter schön ist. In Schwerin — einer Stadt, die 300 Regentage als Corporate Identity führt — ist das ein Zeitfenster von ungefähr dreieinhalb Wochen im Jahr.
Die Stadtverwaltung reagierte auf Nachfrage gewohnt optimistisch. Man sei „auf einem guten Weg“ und verwies darauf, dass die Infrastruktur-Investitionen der letzten Jahre bereits Früchte trügen. Dass diese Früchte bislang hauptsächlich in Form von Meerforellen-Aufstiegshilfen und Zauneidechsen-Biotopen geerntet wurden, ließ man unerwähnt.
Schwerins Autofahrer nehmen es derweil mit der ihnen eigenen Gelassenheit. „Ich kenne jeden einzelnen Krater auf meinem Arbeitsweg persönlich“, berichtet ein Pendler aus Lankow. „Manche davon sind älter als meine Kinder. Die haben mittlerweile Namen.“ Sein Favorit: „Wolfgang“ — ein Schlagloch in der Hamburger Allee, das seit 2019 kontinuierlich wächst und mittlerweile seinen eigenen Mikrokosmos beherbergt.
Der Winterdienst bittet die Bevölkerung um Geduld. Und darum, nicht ganz so schwere Autos zu fahren. Das sei nämlich auch nicht gut für den Asphalt.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
