Politik

Schwerin feiert „Unter-100.000-Festival“: Dreitägiges Fest würdigt historische Schrumpfung der Landeshauptstadt

Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hat ein dreitägiges Stadtfest angekündigt, um die Unterschreitung der magischen 100.000-Einwohner-Marke zu würdigen. „Das ist ein historischer Moment für unsere Stadt“, verkündete Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum bei der Pressekonferenz. „Andere Städte wachsen – wir gehen den mutigeren Weg.“

Das Festival unter dem Motto „Klein, aber fein – und immer kleiner!“ soll vom 14. bis 16. Februar auf dem Marienplatz stattfinden. Geplant sind unter anderem ein Countdown zur nächsten 1.000er-Schwelle, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Warum weniger Einwohner mehr Charme bedeuten“ und ein historischer Rückblick auf die erfolgreiche Schrumpfung seit 1988. Damals hatte Schwerin noch 130.000 Einwohner – ein Zustand, den Stadtsprecherin Anna Meinberg als „völlig überfüllt“ bezeichnet.

Einzigartig in Deutschland: Schrumpfung als Markenzeichen

„Während andere Landeshauptstädte wie Leipzig oder Dresden verzweifelt versuchen, ihre Einwohnerzahlen nach oben zu frisieren, stehen wir zu unserer Entwicklung“, so Meinberg weiter. Die Stadt sehe sich als Vorreiter einer neuen Urbanitätsphilosophie: „Wer braucht schon junge Menschen, Infrastruktur oder ein Nachtleben? Wir haben das Schloss.“

Besonders stolz ist man darauf, die einzige deutsche Landeshauptstadt ohne Großstadt-Status zu sein. „Das verleiht uns eine gewisse Exklusivität„, erklärt Kultursenator Silvio Horn. Die Stadt plane bereits ein offizielles Gütesiegel: „Schrumpfstadt seit 1990 – Tradition verpflichtet.“

„Ich bin extra aus Hamburg zurückgekommen, um das zu erleben. So was wie Schwerin gibt’s nur einmal. Zum Glück.“

Jonas M., 29, ehemaliger Schweriner

Festprogramm mit symbolischer Aussagekraft

Höhepunkt des Festivals soll die offizielle Enthüllung einer Gedenktafel sein, auf der alle 30.000 Personen namentlich erwähnt werden, die seit 1990 weggezogen sind. „Eine Ehrung derjenigen, die verstanden haben, dass man woanders besser lebt“, so OB Nottebaum. Parallel dazu wird auf dem Pfaffenteich eine symbolische Bootsfahrt stattfinden – allerdings nur in eine Richtung: weg von Schwerin.

Auch kulinarisch will man sich nicht lumpen lassen: Food-Trucks aus Berlin, Hamburg und Rostock werden erwartet – Schweriner Gastronomen hätten alle abgesagt, da sie um 21 Uhr schließen. Musikalisch umrahmt wird das Event von einem DJ, der das BUGA-2009-Highlight-Tape in Dauerschleife laufen lässt.

Die Stadtvertretung hat dem Festival-Budget von 2,3 Millionen Euro bereits zugestimmt – interfraktionell und ohne Gegenstimmen. „Endlich mal eine Entscheidung, bei der sich alle einig sind“, freut sich Ratsmitglied Thomas K. „Normalerweise streiten wir drei Jahre über eine neue Ampelschaltung.“

„Ich finde es mutig, dass Schwerin offen zugibt, dass niemand hier bleiben will. Das ist mehr Ehrlichkeit, als ich von einer deutschen Stadtverwaltung erwartet hätte.“

Dr. Petra L., Demografieforscherin, Uni Rostock

Kritische Stimmen gibt es dennoch: Der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern bemängelt, dass das Festival ausschließlich von Menschen über 60 besucht werden könne – junge Leute seien in Schwerin schlicht nicht mehr vorhanden. Die Stadtsprecherin kontert: „Genau deshalb feiern wir ja.“

Für die Zukunft plant Schwerin bereits weitere Festivitäten: Sobald die 95.000er-Marke unterschritten wird, soll ein ganzer „Schrumpfungsmonat“ ausgerufen werden. Die Landeshauptstadt bleibt konsequent auf Kurs – nach unten.

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