Die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) bereitet sich auf ein besonderes Jubiläum vor: Im kommenden Jahr werden die jüngsten Straßenbahnen der Flotte 25 Jahre alt. Statt über Ersatzbeschaffungen nachzudenken, plant die Stadt eine große Feier zur Würdigung der technischen Langlebigkeit. „Unsere Bahnen von 2001 bis 2003 sind ein Beweis dafür, dass man Investitionen nicht überstürzen sollte“, erklärt ein Sprecher der NVS stolz.
Die insgesamt 20 Niederflur-Straßenbahnen des Typs GT6N-ZR haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten treue Dienste geleistet und dabei pro Fahrzeug mehrere Millionen Kilometer zurückgelegt. „Manche Leute sagen, unsere Bahnen seien alt. Wir sagen: Sie sind bewährt„, so der Sprecher weiter. Tatsächlich gelten Straßenbahnen in anderen deutschen Städten nach 25 bis 30 Jahren als verschlissen und werden ausgemustert. In Schwerin hingegen sieht man das pragmatischer.
Modernisierung? „Kein Bedarf festgestellt“
Auf die Frage nach möglichen Ersatzinvestitionen reagiert die Stadtverwaltung zurückhaltend. „Wir haben eine interfraktionelle Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Frage beschäftigt, ob eine Bedarfsanalyse zur Prüfung einer eventuellen Ersatzbeschaffungsstrategie sinnvoll sein könnte“, heißt es aus dem Rathaus. Ein konkreter Zeitplan existiert nicht. Die letzte Erweiterung des Straßenbahnnetzes fand 1984 statt – also vor 42 Jahren. Seither wurden Strecken eher stillgelegt als ausgebaut.
Die Bahnen fahren doch noch. Warum soll man Geld ausgeben, wenn es nicht unbedingt nötig ist?
Anonym, Stadtvertretung Schwerin
Tatsächlich ist der öffentliche Nahverkehr in Schwerin im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten überschaubar: Vier Straßenbahnlinien auf 21 Kilometern Streckennetz, dazu ein paar Buslinien. In Leipzig, Dresden oder Erfurt umfasst das Netz zwischen 150 und 220 Kilometer – aber dort hat man eben auch keine Landeshauptstadt mit Charme zu bieten.
Bürger zwischen Nostalgie und Resignation
Die Reaktionen der Schweriner Bevölkerung auf das bevorstehende Jubiläum fallen gemischt aus. Einige Bürger zeigen Verständnis für die Strategie der Stadt. „Hauptsache, die Bahnen fahren noch“, sagt Rentnerin Inge K. (72) am Pfaffenteich. „Ich bin auch schon ein bisschen älter und funktioniere trotzdem noch.“ Andere sehen das kritischer. „Meine Kinder ziehen nach Hamburg, weil dort die S-Bahn im 5-Minuten-Takt fährt und nicht alle 15 Minuten eine Straßenbahn, die älter ist als sie selbst“, sagt Thomas B. (41), der selbst noch in Schwerin wohnt, aber bereits über einen Umzug nachdenkt.
Die NVS verteidigt unterdessen die Altersstruktur ihrer Flotte: „Unsere Fahrzeuge werden regelmäßig gewartet und entsprechen allen Sicherheitsstandards“, heißt es offiziell. Dass die Ausfallquote in den vergangenen Jahren gestiegen ist und Fahrgäste immer häufiger auf Schienenersatzverkehr angewiesen sind, wird als „normaler Verschleiß“ bezeichnet. Die Stadt Schwerin setzt stattdessen auf Innovation: Eine neue App soll demnächst anzeigen, welche Straßenbahn gerade ausfällt. An der grundsätzlichen Ausrichtung des Nahverkehrs ändert das allerdings nichts.
Zum großen Jubiläum im kommenden Jahr ist eine Festveranstaltung mit Politikern, NVS-Mitarbeitern und ausgewählten Fahrgästen geplant. Als Höhepunkt soll die älteste noch im Dienst befindliche Bahn eine Ehrenrunde über das gesamte Streckennetz fahren – sofern sie an diesem Tag nicht gerade ausfällt.
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