Kultur

Schwerin eröffnet ersten Coworking-Space: Drei Laptops und eine Filtermaschine für die gesamte Gründerszene

Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Freitag ihren ersten Coworking-Space eröffnet und damit die Gründerszene der Stadt auf einen Schlag verdreifacht. Das „Innovation Hub Schwerin“ befindet sich in einem ehemaligen Schlüsseldienst in der Schelfstadt und bietet auf 28 Quadratmetern Platz für bis zu sechs Personen, sofern nicht alle gleichzeitig einatmen.

„Wir setzen ein klares Zeichen: Schwerin ist bereit für die Wissensökonomie“, erklärte Wirtschaftsdezernent Dr. Hartmut Freese bei der Eröffnung vor sieben Gästen, von denen vier zur Stadtverwaltung gehörten. Die Ausstattung umfasst drei Laptops, eine Filtermaschine von 2014 und ein Whiteboard, auf dem noch „Schlüssel nachmachen 5€“ steht.

Gründerszene reagiert verhalten bis abwesend

Die Resonanz aus der Schweriner Start-up-Szene blieb überschaubar, was vor allem daran liegen dürfte, dass es keine gibt. Eine Anfrage beim Digitalen Innovationszentrum ergab, dass dort aktuell zwei Unternehmen „betreut“ werden: ein Versicherungsmakler und ein Mann, der Honig im Internet verkauft.

Der Coworking-Space kostet 189 Euro pro Monat pro Platz. Zum Vergleich: In Berlin bekommt man dafür einen Platz mit Espressobar, Dachterrasse und Tischtennisplatte. In Schwerin bekommt man WLAN, das der Betreiber als „solide“ bezeichnet. Ein Speedtest vor Ort ergab 23 Mbit im Download. „Für Schwerin ist das Glasfaser“, kommentierte ein Anwesender trocken.

Ich habe mich hier eingemietet, weil ich zu Hause nicht mehr arbeiten konnte. Meine Frau hat mich rausgeworfen. Das hat nichts mit Innovation zu tun.

Stefan K. (43), einziger Mieter in Woche eins

Stadt rechnet mit „exponentiellem Wachstum“

Die Stadtverwaltung zeigt sich dennoch optimistisch. In einer Pressemitteilung ist von „Aufbruchsstimmung“ die Rede und davon, dass Schwerin „auf dem besten Weg zur Start-up-Metropole im Norden“ sei. Dass die nächste echte Gründerszene in Hamburg liegt, also zwei Stunden Regionalexpress entfernt, wird als „gesunde Distanz zum Wettbewerb“ gewertet.

Jena, die ostdeutsche Vorzeigestadt mit Uni, Zeiss und hunderten Tech-Firmen, wird in dem Papier nicht erwähnt. Leipzig auch nicht. Stattdessen vergleicht man sich mit „vergleichbaren Standorten“ und nennt als Beispiel Neubrandenburg. Neubrandenburg.

Ein Förderprogramm für Gründer soll folgen, sofern der Haushalt es erlaubt. Da Schwerin bekanntlich primär vom Staat lebt, dürfte das Budget überschaubar ausfallen. Gerüchteweise ist von 3.000 Euro die Rede, verteilt auf drei Jahre.

Der Coworking-Space hat montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Abends und am Wochenende ist geschlossen, weil der Vermieter dann den Schlüssel braucht.

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