Kultur

Schwerin eröffnet ersten Club seit 15 Jahren – Einlass ab 60

Schwerin hat ein Nachtleben-Problem. Genauer gesagt: Schwerin hat kein Nachtleben. Der letzte echte Club schloss vor über einem Jahrzehnt, seitdem herrscht nach 21 Uhr kulturelle Dunkelheit in der Landeshauptstadt. Jetzt reagiert die Stadt und kündigt eine „innovative Lösung“ an.

Ab März soll im ehemaligen Zenit-Gebäude ein neuer Club entstehen. Das Konzept sei „demografisch angepasst“, wie Kulturdezernent Bernd Nothnagel bei der gestrigen Pressekonferenz erklärte. Konkret bedeutet das: Einlass ab 60 Jahren. „Wir wollen niemanden ausschließen, aber wir müssen realistisch bleiben. In Schwerin gibt es mehr Menschen über 65 als unter 30. Wirtschaftlich macht nur das Sinn.“

Schlager statt Techno, Sitzplätze statt Tanzfläche

Die Ausstattung orientiert sich an den Bedürfnissen der Zielgruppe. Statt dröhnender Bässe gibt es Schlager in gehobener Zimmerlautstärke. Die klassische Tanzfläche weicht einem „Bewegungsbereich mit Haltegriffen“. An den Wänden: bequeme Sitznischen mit Rufknöpfen zum Service. Ein Defibrillator hängt direkt neben der Discokugel.

„Wir öffnen um 18 Uhr, Happy Hour ist von 18:30 bis 19 Uhr, und um 21:15 beginnt der letzte Tanz. Dann muss Schluss sein – die letzte Straßenbahn fährt um 21:40.“

Bernd Nothnagel, Kulturdezernent

Die Getränkekarte wurde ebenfalls angepasst. Statt Wodka-Bull gibt es Weinschorle und alkoholfreies Malzbier. Jägermeister bleibt im Programm – „das trinken unsere Gäste seit 1978“, so Nothnagel.

Jugendvertreter zeigt Verständnis

Die Schweriner Jugend reagiert gelassen. „Wir haben uns eh daran gewöhnt, fürs Feiern nach Rostock oder Hamburg zu fahren“, sagt der 23-jährige Tim M. aus der Weststadt. „Vielleicht ziehe ich dann halt doch noch weg.“ Damit reiht er sich in die Tradition der letzten drei Jahrzehnte ein: Wer in Schwerin jung ist und ausgehen will, wird Teil der Abwanderungsstatistik.

Der Name des neuen Clubs steht bereits fest: „Club Silberdisko“. Ein Slogan wird noch gesucht. Vorschläge aus der Verwaltung lauten „Tanzen wie früher, nur früher am Abend“ und „Schwerin feiert – bis halb zehn“.

Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum zeigt sich optimistisch: „Mit diesem Konzept positionieren wir uns deutschlandweit einzigartig. Keine andere Landeshauptstadt hat einen Club speziell für Senioren.“ Auf die Frage, ob es nicht auch ein Angebot für junge Menschen geben solle, antwortete er: „Welche jungen Menschen?“

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