Politik

Schwerin eröffnet ersten Club seit 15 Jahren — Anwohner (Durchschnittsalter 71) erzwingen Schließung nach zwei Wochen wegen Ruhestörung

Schwerin hat es tatsächlich getan. Nach 15 Jahren ohne einen einzigen Nachtclub hat die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern am vergangenen Freitag den „Basstion“ eröffnet — einen 200-Quadratmeter-Club im ehemaligen Sanitärfachhandel an der Wismarischen Straße. Die Freude währte exakt 14 Tage.

Wie die Stadtverwaltung am Mittwoch mitteilte, wurde dem Betreiber Kevin Moldenhauer (29) die Konzession wieder entzogen, nachdem 347 Beschwerden wegen Ruhestörung eingegangen waren — bei einer Anlage, die laut Gutachten maximal 78 Dezibel nach außen abgibt. Zum Vergleich: Ein normales Gespräch liegt bei 60 Dezibel.

„Das Geräusch von Jugend ist in Schwerin nicht genehmigungsfähig“

Die Beschwerden kamen ausnahmslos von Anwohnern über 65 Jahren. Ingrid Plötzke (78), Sprecherin der spontan gegründeten Bürgerinitiative „Stille Mitte“, erklärte gegenüber der Presse, der Bass sei „bis in die Fernbedienung“ zu spüren gewesen. Ihr Mann Günter (81) ergänzte, er habe „seit der Wende nicht mehr so schlecht geschlafen“.

„Wir haben drei Jahre nach einem geeigneten Standort gesucht. Es gibt in Schwerin keinen einzigen Ort, der weit genug von Rentnern entfernt ist.“

Kevin Moldenhauer, Ex-Betreiber des „Basstion“

Moldenhauer hatte nach eigenen Angaben 85.000 Euro in den Umbau investiert, darunter eine professionelle Schalldämmung, die vom TÜV Nord abgenommen worden war. Das Ordnungsamt argumentierte jedoch, die Genehmigung sei unter der Prämisse erteilt worden, dass „kein regelmäßiger Publikumsverkehr nach 22 Uhr“ stattfinde. Bei einem Nachtclub eine durchaus sportliche Auflage — in einer Stadt, die bekanntlich ab 20 Uhr das Licht ausmacht.

Oberbürgermeister gratuliert und kondoliert gleichzeitig

Die Stadtverwaltung reagierte mit einer Pressemitteilung, die selbst für Schweriner Verhältnisse bemerkenswert war. Unter dem Titel „Schwerin als Kulturstandort gestärkt“ hieß es wörtlich: „Die Eröffnung und die konstruktive Bürgerbeteiligung im Nachgang zeigen, dass Schwerin ein lebendiger Diskursraum ist.“ Dass der Diskurs mit der Schließung endete, wurde als „ergebnisoffener Prozess“ bezeichnet.

Dezernent für Stadtentwicklung und proaktive Stillstandsverwaltung, Dr. Heiko Teschner, betonte, man werde nun eine „interfraktionelle Arbeitsgruppe Nachtkultur“ einsetzen. Diese solle bis 2028 Vorschläge erarbeiten, wie Schwerin „attraktiver für junge Menschen“ werden könne — eine Formulierung, die in Schwerin seit 1998 in jeder Koalitionsvereinbarung steht. Dass das Kulturangebot der Stadt bereits jetzt nach Staatstheater und Museum aufhört, wurde in der Vorlage nicht erwähnt.

„In Leipzig machen um 23 Uhr die Clubs auf. In Schwerin macht um 23 Uhr die letzte Tankstelle zu. Und die hat das interessantere Kulturprogramm.“

Luisa Wendt (24), ehemalige Schwerinerin, jetzt Berlin

Die 14 Tage des „Basstion“ waren laut Augenzeugen die lebendigsten, die Schwerin seit der BUGA 2009 erlebt hat. An beiden Wochenenden kamen jeweils über 200 Gäste — viele davon eigens aus Rostock und Wismar angereist, weil sie die Nachricht für einen Scherz gehalten und sich selbst überzeugen wollten.

Moldenhauer hat inzwischen angekündigt, nach Hamburg zu ziehen — wie so viele vor ihm. Die Räume an der Wismarischen Straße sollen laut Vermieter wieder als Sanitärfachhandel genutzt werden. Der Durchschnittsanwohner im Umkreis von 500 Metern ist 71 Jahre alt.

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