Kurioses

Schwerin erklärt Kleingartenanlage zum offiziellen Ausgehviertel – nachts ist dort am meisten los

Schwerin. Nach einer Serie von 20 Einbrüchen in Gartenlauben an der Wittenburger Straße hat die Landeshauptstadt eine überraschende Konsequenz gezogen: Die betroffene Kleingartenanlage wird zum offiziellen Ausgehviertel umgewidmet. Laut einer Mitteilung des Dezernats für Nachtökonomie und Freizeitinfrastruktur sei die Anlage „der einzige Ort in Schwerin, an dem nach 22 Uhr überhaupt noch etwas passiert – abgesehen von der Nachtbürgermeisterin am Pfaffenteich“.

„Mehr Bewegung als in der gesamten Innenstadt“

Die Entscheidung fiel einstimmig in einer Sondersitzung der Stadtvertretung, die um 19:45 Uhr begann und um 19:47 Uhr endete, weil danach „nichts mehr auf der Tagesordnung stand, wie üblich“. Interims-OB Bernd Nottebaum soll die Umwidmung mit den Worten kommentiert haben: „Wenn zwei Personen innerhalb einer Nacht 20 Lauben aufbrechen, ist das mehr Aktivität als der Marienplatz in einer ganzen Woche verzeichnet.“

Die Zahlen würden ihm Recht geben. Laut einer internen Erhebung der Stadtverwaltung wurden in der fraglichen Nacht in der Kleingartenanlage mehr menschliche Interaktionen registriert als in sämtlichen Schweriner Gastronomiebetrieben zusammen. „Die Einbrecher hatten zwischen drei und fünf Uhr morgens mehr soziale Kontakte als der durchschnittliche Schweriner in einer ganzen Woche“, erklärte die Beauftragte für proaktive Einsamkeitsbekämpfung, Dr. Ingrid Seelental.

„Früher sind die jungen Leute nach Hamburg gefahren, um nachts was zu erleben. Jetzt reicht offenbar die Wittenburger Straße. Das ist ein Standortvorteil, den wir nutzen müssen.“

Klaus-Dieter Brambeck, Vorsitzender des Kleingartenvereins „Morgentau e.V.“

Die Stadt plant bereits konkrete Maßnahmen, um das neue Ausgehviertel aufzuwerten. An den Eingängen der Anlage sollen LED-Schilder – sofern die Straßenbeleuchtung noch an ist – mit der Aufschrift „Schwerins Nachtleben – Hier passiert was!“ installiert werden. Außerdem sei eine Verlängerung der Straßenbahn-Linie 1 bis zur Anlage im Gespräch, allerdings „frühestens 2047, und auch nur bei positivem Fördermittelbescheid“.

NVS prüft Nachtbus-Anbindung – und verwirft sie sofort

Die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) hatte kurzzeitig einen Nachtbus-Shuttle erwogen, die Idee nach einer Wirtschaftlichkeitsanalyse aber wieder verworfen. „Für zwei Fahrgäste pro Nacht lohnt sich das wirtschaftlich nicht“, so ein Sprecher. Auf den Einwand, dass dies immerhin doppelt so viele wären wie auf der Linie 8 nach 20 Uhr, schwieg er vielsagend. Immerhin hatte die Stadt erst kürzlich den letzten Späti regulieren wollen.

Besonderen Zuspruch findet die Umwidmung bei der Tourismusbranche. Die Schwerin-Marketing GmbH arbeite bereits an einer neuen Broschüre mit dem Titel „Schwerin bei Nacht – Mehr als nur das Schloss im Dunkeln“. Auf 48 Seiten werde das nächtliche Treiben in Kleingartenanlagen gewürdigt, ergänzt um eine Karte mit den beliebtesten Einbruchsrouten als „alternative Stadtrundgänge“.

Die beiden Tatverdächtigen, die von der Polizei auf frischer Tat gestellt wurden, zeigten sich angesichts der Entwicklung überrascht. „Wir wollten nur ein paar Lauben aufbrechen, und jetzt sind wir Pioniere der Schweriner Nachtkultur“, soll einer von ihnen bei der Festnahme gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Anklage wegen „Einbruchsdiebstahl“ in „ungenehmigtes Eventmanagement“ umgewandelt werden könnte.

Hinweis: Dieser Artikel ist Satire.

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