Infrastruktur

Schwerin erhält ICE-Halt – im Rahmen einer Ausweichroute bei Streckensperrung

Schwerin. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns darf sich freuen: Erstmals seit Einführung des ICE-Netzes wird ein Hochgeschwindigkeitszug am Schweriner Hauptbahnhof halten. Der Grund: Eine mehrtägige Streckensperrung zwischen Hamburg und Berlin zwingt die Deutsche Bahn, ihre Züge über die „historisch gewachsene“ Nebenstrecke durch die Landeshauptstadt zu leiten.

„Das ist ein großer Tag für Schwerin“, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung und versuchte dabei, seine Stimme ruhig zu halten. „Wir wurden informiert, dass am kommenden Samstag gegen 14:37 Uhr ein ICE der Linie 28 auf Gleis 4 für geschätzte acht Minuten halten wird. Die Türen bleiben geschlossen, aber allein die Präsenz eines solchen Fahrzeugs ist für unsere Stadt von unschätzbarem symbolischem Wert.“

Pendler zwischen Hoffnung und Realität

Die Nachricht elektrisiert vor allem jene 12.000 Schweriner, die täglich in den Regionalexpress nach Hamburg steigen. Die Strecke von 120 Kilometern bewältigt der RE in etwa 1 Stunde und 50 Minuten – eine Zeit, in der man mit dem ICE von Hamburg nach Berlin und zur Hälfte wieder zurück käme.

Ich fahre seit 14 Jahren jeden Tag diese Strecke. 3 Stunden 40 Minuten am Tag im Zug. Wenn ich einen ICE sehe, werde ich weinen. Vor Freude oder Wut, das weiß ich noch nicht.

Carsten M., Berufspendler aus Schwerin-Lankow

Die Deutsche Bahn betont, dass es sich um eine „einmalige betriebliche Notwendigkeit“ handele und keine Rückschlüsse auf zukünftige Halte gezogen werden sollten. Eine Sprecherin erklärte gegenüber Schwerin ist Geil: „Schwerin liegt nicht auf einer wirtschaftlich relevanten Achse. Die Stadt ist hervorragend mit dem Regionalverkehr angebunden.“ Auf Nachfrage, ob „hervorragend“ relativ zu verstehen sei, legte sie auf.

Lüneburg grüßt von oben

Besonders bitter für Schwerin: Selbst Lüneburg – eine niedersächsische Kreisstadt mit 78.000 Einwohnern – verfügt über regelmäßige ICE-Halte. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hingegen muss sich damit begnügen, auf Anzeigetafeln gelegentlich „ICE durchfahrt“ lesen zu dürfen, während der weiße Zug mit 200 km/h am Bahnsteig vorbeirauscht.

„Wir haben das Schloss“, konterte ein Mitarbeiter der Schweriner Touristeninformation trotzig. „Die können mit ihrem ICE kommen und gucken.“ Auf die Frage, wie Touristen vom ICE-Netz nach Schwerin gelangen sollen, verwies er auf den stündlichen Regionalexpress und die „landschaftlich reizvolle“ Strecke.

Die Stadt plant unterdessen, den historischen Moment fotografisch festzuhalten. Ein Fotograf wurde beauftragt, am Samstag am Bahnsteig zu warten. „Falls der Zug pünktlich ist“, fügte die Stadtverwaltung hinzu. „Aber das wäre dann wirklich ein Wunder.“

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