Die Landeshauptstadt Schwerin setzt ein wegweisendes Zeichen in Sachen Modernisierung: Ab März wird im Rathaus ein Faxgerät in Betrieb genommen, das auch farbige Dokumente übertragen kann. „Das ist ein Quantensprung für unsere Behörde“, erklärte ein sichtlich bewegter Sprecher der Stadtverwaltung am Dienstag.
Das Farbfax ersetzt das bisherige Schwarzweiß-Modell aus dem Jahr 1997, das nach 28 Jahren treuer Dienste in den wohlverdienten Ruhestand geht. Die Investition von 349 Euro wurde nach nur siebenjähriger Prüfung durch drei Ausschüsse und eine interfraktionelle Arbeitsgruppe bewilligt.
„Wir sind jetzt auf Augenhöhe mit 1998″
Bürgermeister-Stellvertreter Klaus-Dieter Warnke zeigte sich bei der Vorstellung des Geräts gerührt: „Wenn ich sehe, wie dieses Fax auch rote und blaue Linien übertragen kann, dann weiß ich: Wir sind auf dem richtigen Weg. Schwerin ist bereit für das 21. Jahrhundert.“ Auf die Frage, warum die Stadt nicht direkt E-Mail-Kommunikation ausbaue, reagierte er irritiert: „E-Mail? Wir sind hier eine seriöse Behörde, kein Start-up.“
Die technische Umstellung erfordert allerdings umfangreiche Schulungsmaßnahmen. Für 47 Mitarbeiter des Bürgerbüros wurde ein zweitägiger Lehrgang angesetzt, in dem die Bedienung des neuen Geräts vermittelt wird. Besonderer Fokus liegt dabei auf dem korrekten Einlegen des Papiers und dem Unterschied zwischen der „Start“-Taste und der „Stopp“-Taste.
„Früher mussten wir für farbige Dokumente noch zur Post gehen. Jetzt können wir sie direkt faxen. Das spart pro Vorgang bis zu 40 Minuten.“
Sachbearbeiterin Gisela M., 58, seit 34 Jahren im Dienst
Hamburg plant bereits Glasfaserausbau
Während andere Städte auf vollständige Digitalisierung ihrer Verwaltungen setzen, geht Schwerin bewusst einen eigenen Weg. „Was bringt uns Glasfaser, wenn die Bürger dann erwarten, dass alles schnell geht?“, fragte Dezernent für Inneres Hartmut Schreiner rhetorisch. „Hier in Schwerin schätzen die Menschen noch die Entschleunigung. Ein Bauantrag dauert bei uns acht Monate, und das ist gut so.“
Das alte Faxgerät wird übrigens nicht entsorgt, sondern dem Stadtarchiv übergeben. Dort soll es künftig als Zeitzeuge für die „digitale Aufbruchstimmung der 1990er Jahre“ ausgestellt werden. Die Eröffnung der Sonderausstellung ist für 2031 geplant, sofern die Genehmigung rechtzeitig erteilt wird.
Die nächste Modernisierungswelle ist bereits in Planung: 2029 soll das Einwohnermeldeamt einen Computer mit USB-Anschluss erhalten.
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