Politik

Schwerin chipt 30.000 Mülltonnen: Stadtverwaltung will endlich wissen, wer hier den größten Müll produziert

Die Nachricht schlug ein wie eine leere Biotonne auf nassem Asphalt: Schwerin rüstet 30.000 Restmüll- und Papiertonnen mit elektronischen Transpondern aus. Was die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) als „bessere Tourenplanung“ verkaufen, ist in Wahrheit der ambitionierteste Überwachungsversuch seit der Einführung der Hundesteuermarke.

Mülltonne und Müllwagen im Dialog: Die Liebesgeschichte, die niemand wollte

Laut SDS sollen Tonne und Müllwagen künftig „miteinander kommunizieren“. Was romantisch klingt, bedeutet konkret: Jeder Chip erfasst, welche Tonne wann und wo geleert wurde. Man könnte fast meinen, jemand in der Stadtverwaltung hätte sich gefragt: „Was wäre, wenn wir Big Brother machen — aber mit Abfall?“

Dabei sind die Ratten im Großen Dreesch vermutlich die Einzigen, die sich über die Digitalisierung der Mülltonnen freuen — endlich werden ihre Futterquellen professionell gemanagt.

„Das neue System hat keinen Einfluss auf die bisherige Gebührenerhebung“, versichert die SDS. Auf Nachfrage, warum man dann überhaupt die Abrechnung „erleichtern“ müsse, war niemand erreichbar.

Aufkleber und Gehorsam: Das Bürgerpflicht-Programm

Besonders charmant ist die Umsetzung: Hausbesitzer bekommen Post mit Adressaufklebern, die sie auf ihre Tonnen kleben und diese dann „gut zugänglich an die Straße“ stellen sollen. Ein Montageteam erledigt den Rest. Das Projekt soll bis Ostern abgeschlossen sein — also pünktlich zu jenem Fest, an dem traditionell auch der letzte Rest Hoffnung begraben wird.

Ab dem 1. Juni werden dann nur noch Behälter mit Chip geleert. Wer keinen hat, darf seinen Müll vermutlich behalten — als eine Art Beitrag zum Naturschutzgebiet Innenstadt.

Die Biotonnen verfügen übrigens bereits seit zehn Jahren über Chip-Technik. Dass in dieser Zeit kein einziger Schweriner die Überwachung seiner Kartoffelschalen bemerkt hat, sagt vielleicht mehr über die Stadt als über die Technologie.

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