Gesellschaft

Schwerin führt Bleib-Prämie ein: 500 Euro für jeden, der nicht nach Hamburg zieht

Die Schweriner Stadtverwaltung hat am Montag ein bundesweit einmaliges Förderprogramm vorgestellt: Die sogenannte Bleib-Prämie soll junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren mit einer Einmalzahlung von 500 Euro davon überzeugen, der Landeshauptstadt treu zu bleiben. Einzige Bedingung: eine notariell beglaubigte Erklärung, mindestens zwölf weitere Monate nicht nach Hamburg, Berlin oder Rostock zu ziehen.

Wir haben die Abwanderung lange als Naturphänomen betrachtet, so wie den Regen oder die Schlaglöcher in der Lübecker Straße, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Jetzt handeln wir. Das Gesamtbudget des Programms beträgt 25.000 Euro, was nach Angaben der Stadt für bis zu 50 junge Schweriner reicht. Bei aktuell rund 30.000 fehlenden Einwohnern seit 1990 ein Tropfen auf den heißen Pfaffenteich.

Antrag nur persönlich im Rathaus, Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 9 bis 11 Uhr

Die Antragsformulare liegen ausschließlich im Bürgeramt aus und können nicht digital eingereicht werden. Auf die Frage, ob ein Online-Formular geplant sei, verwies die Verwaltung auf die laufende Digitalisierungsoffensive, die bekanntlich seit 2019 ein Farbfax und eine WLAN-fähige Parkbank am Pfaffenteich hervorgebracht hat.

500 Euro? Dafür kriege ich in Hamburg nicht mal die Kaution für ein WG-Zimmer. Aber in Schwerin reicht es für drei Monate Straßenbahn-Abo und eine Jahreskarte fürs Staatstheater. Was will man mehr?

Luisa M. (24), die den Antrag trotzdem nicht stellen wird

Kritiker bemängeln, dass die Prämie am eigentlichen Problem vorbeigeht. Schwerin hat keine Universität, keinen einzigen Club, und das kulturelle Abendprogramm endet zuverlässig um 21 Uhr, wenn die letzten Restaurants die Stühle hochstellen. Der Arbeitsmarkt besteht im Wesentlichen aus Landesverwaltung und Pflegeheimen. Wer hier bleibt, braucht keine 500 Euro, sagt der Soziologe Dr. Henning Krause. Der braucht ein Hobby, das ohne andere Menschen funktioniert.

Erste Bilanz: Drei Anträge, davon zwei von Rentnern

Nach den ersten zwei Wochen sind laut Stadtverwaltung drei Anträge eingegangen. Zwei davon von Rentnern über 70, die offenbar das Kleingedruckte überlesen hatten. Der dritte Antrag stammt von einem 28-jährigen Verwaltungsfachangestellten, der ohnehin verbeamtet ist und die Stadt frühestens zur Pensionierung verlassen will. Die Stadtverwaltung wertet dies als vielversprechenden Start.

Bereits jetzt plant die Stadt eine Erweiterung des Programms. Ab 2027 soll eine Rückkehr-Prämie von 200 Euro Weggezogene zurücklocken. Die Differenz von 300 Euro sei laut Stadtverwaltung bewusst gewählt, damit sich Hierbleiben mehr lohnt als Zurückkommen. Am Schweriner Hauptbahnhof, wo täglich der Regionalexpress Richtung Hamburg abfährt, hat davon noch niemand etwas mitbekommen.

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