SCHWERIN. Als am Wochenende 82 Speedcuber aus neun Ländern in der Niels-Stensen-Schule zusammenkamen, um beim ersten offiziellen Zauberwürfel-Wettbewerb Mecklenburg-Vorpommerns gegeneinander anzutreten, ahnte noch niemand, was daraus folgen würde. Nicht einmal die Organisatorin Heike Zbierski, die jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet hatte.
Doch in der Schweriner Stadtvertretung war man aufgewacht. Und zwar sehr, sehr aufgewacht.
Historischer Beschluss in Rekordzeit
In einer Sondersitzung, die mit der für Schweriner Verhältnisse atemberaubenden Geschwindigkeit von nur achtzehn Stunden Beratungszeit abgehalten wurde, beschloss die Stadtvertretung einstimmig: Schwerin wird sich zum 1. Juli 2026 in Cuberin umbenennen. Das neue Wappen zeigt einen dreidimensionalen Zauberwürfel, halb gelöst. Der halb gelöste Teil, so der Bürgermeisterin-Stellvertreter in seiner Rede, sei „bewusst gewählt – er symbolisiert unsere Fortschrittsbereitschaft.“
„Ein Zauberwürfel hat 43.252.003.274.489.856.000 mögliche Zustände. Das ist deutlich mehr als die Zahl der Lösungsansätze, die wir bisher für unseren Haushalt entwickelt haben. Aber wenigstens wissen wir jetzt: Es gibt eine Lösung. Und sie braucht im Schnitt unter 20 Züge.“
— Fiktiver Stadtrat Dr. Bernd Drehkowski, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtidentität und strukturellen Optimismus
Das Schweriner Tourismusbüro reagierte begeistert. „Wir sind die erste Stadt in Deutschland, die einen Sport als Leitmetapher wählt, bei dem man tatsächlich gewinnen kann“, sagte Sprecherin Inge Würfelbach. Erste Anfragen aus China, Polen und Ecuador seien bereits eingegangen – allesamt von Teilnehmern, die beim Turnier gewesen seien und sich gefragt hätten, was in dieser Stadt eigentlich los sei.
Praktische Herausforderungen nicht ausgeschlossen
Nicht alle teilen den Enthusiasmus. Der Verein Historisches Schwerin e.V. wies darauf hin, dass die Stadt immerhin seit dem 10. Jahrhundert existiere und ihr Name auf slawische Ursprünge zurückgehe. „Soll das jetzt alles weg?“, fragte Vereinsvorsitzender Waldemar Schlenkowski-Pfann in einem offenen Brief.
Das Stadtmarketing beschwichtigte: Der alte Name bleibe erhalten – als „Legacy Brand für geschichtsbewusste Zielgruppen.“ Alle neuen Marketingmaterialien, Stadtgrenzschilder und Briefköpfe der Verwaltung werden auf Cuberin umgestellt. Die Kosten dafür werden auf rund 2,3 Millionen Euro geschätzt und sollen aus dem Sonderfonds für „Stadtidentität und strukturellen Optimismus“ finanziert werden, der für diesen Zweck ebenfalls noch gegründet werden muss.
Der ÖPNV, so wurde versichert, werde von der Umbennennung nicht beeinträchtigt. Er ist bereits in einem Zustand, der keine weiteren Verschlechterungen mehr zulässt.
Diese Geschichte ist – leider oder zum Glück – vollständig fiktiv. Das Speedcubing-Turnier „Schwerin Open 2026″ hingegen hat tatsächlich am 21. und 22. Februar stattgefunden. 82 Teilnehmer aus 9 Ländern. Die erste offizielle Speedcubing-Meisterschaft in MV. Das ist wahr und braucht keine Satire.
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