Kurioses

Schwerin beauftragt Hamburger Agentur mit Umbenennung: „Rostock-Süd“ führt die Shortlist an

Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Freitag eine externe Marketingagentur aus Hamburg beauftragt, den internationalen Markenauftritt der Stadt grundlegend zu überarbeiten. Kostenpunkt: 340.000 Euro. Ziel: Ein neuer Name, der „die Dynamik und Attraktivität der Metropolregion besser widerspiegelt“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Auf der Shortlist stehen laut internen Dokumenten drei Vorschläge: „Schlossstadt an der See“, „Klein-Kopenhagen“ und der Publikumsliebling „Rostock-Süd“. Letzterer habe bei einer repräsentativen Umfrage unter 23 Passanten am Marienplatz die meisten Stimmen erhalten, wobei 19 davon Touristen waren, die dachten, sie seien bereits in Rostock.

Agentur empfiehlt kompletten Neustart

Die beauftragte Agentur „BrandForce North“ hatte zunächst versucht, mit den bestehenden Stärken der Stadt zu arbeiten. Nach drei Wochen Analyse kam das Team zu dem Ergebnis, dass es einfacher sei, komplett von vorn anzufangen.

Normalerweise finden wir in jeder Stadt mindestens fünf Alleinstellungsmerkmale. Bei Schwerin haben wir eines gefunden, und das teilen sich bereits 47 andere Städte mit Schloss.

Projektleiter Jonas Berkenfeld, BrandForce North

Besonders der Vorschlag „Rostock-Süd“ habe strategisches Potenzial. Rostock sei überregional bekannt, habe eine Universität, einen Hafen und echtes Nachtleben. Durch die Namensassoziation könnte Schwerin von diesem Image profitieren, ohne selbst etwas davon anbieten zu müssen. Das Prinzip sei bewährt: „Frankfurt (Oder) macht es seit Jahrhunderten vor“, so Berkenfeld.

Interims-Bürgermeister zeigt sich offen

Interims-Bürgermeister Bernd Nottebaum reagierte bei einer Pressekonferenz überraschend positiv auf den Vorschlag. Man müsse „mutig denken“ und dürfe sich „nicht an alten Strukturen festklammern“. Auf die Frage, ob das nicht auch für die Straßenbahnlinien gelte, die seit 1984 unverändert sind, wechselte er das Thema.

Kritik kam erwartungsgemäß von der Opposition. Stadtvertreter Karl-Heinz Michaelis (CDU) nannte den Vorschlag „eine Beleidigung für alle 98.308 Schweriner, die stolz auf ihre Landeshauptstadt sind“. Auf den Einwand, dass viele davon bereits weggezogen seien, entgegnete er: „Die sind trotzdem stolz. Vielleicht sogar erst recht.“

Die Bürgerinitiative „Schwerin bleibt Schwerin“ hat bereits eine Online-Petition gestartet, die bisher 14 Unterschriften gesammelt hat. Initiator Gerd Plötzke, 71, vom Pfaffenteich: „Mein Vater hat hier schon Schwerin gesagt. Und mein Großvater. Und der konnte immerhin noch in einen Club gehen.“

Die endgültige Entscheidung soll im Herbst 2026 fallen. Bis dahin wird die Agentur weitere Fokusgruppen befragen, sofern sie genügend Einwohner unter 60 finden.

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