Politik

Schwerin beantragt UNESCO-Schutzstatus für den Leerstand: „Ebenfalls einzigartig und unbedingt erhaltenswert“

Schwerin – Beflügelt vom Erfolg der Welterbe-Anerkennung für das Residenzensemble hat die Landeshauptstadt einen weiteren Antrag bei der UNESCO eingereicht. Diesmal geht es nicht um das Schloss, sondern um ein Phänomen, das nach Ansicht der Stadtverwaltung „mindestens ebenso einzigartig und von universellem Wert“ sei: den flächendeckenden Leerstand in der Schweriner Innenstadt.

Wie aus einem internen Strategiepapier hervorgehen soll, argumentiert die Stadt, der Leerstand habe sich über Jahrzehnte „organisch entwickelt“ und stelle mittlerweile ein „einmaliges kulturelles Gesamtkunstwerk“ dar, das in dieser Form nirgendwo sonst in Europa existiere. „Was andere Städte als Problem betrachten, ist bei uns längst Identität“, soll ein Mitarbeiter des Stadtmarketings erläutert haben.

Marienplatz als „Kernzone des immateriellen Nichts“

Kernstück des Antrags dürfte der Marienplatz sein, der laut Gutachten eine „weltweit beispiellose Konzentration von Nichtvorhandenem“ aufweise. Jede dritte Ladenfläche steht leer, die verbliebenen Geschäfte schließen regelmäßig vor 18 Uhr, und nach Einbruch der Dunkelheit könnte man dort laut Augenzeugen „unbehelligt eine Opern-Generalprobe abhalten, ohne dass es jemand stören würde“.

„Das Schloss-Ensemble repräsentiert Schwerins Vergangenheit. Der Leerstand repräsentiert Schwerins Gegenwart. Beides verdient Schutz — nur dass beim Leerstand die Gefahr deutlich geringer ist, dass ihn jemand aus Versehen belebt.“

— Fiktiver Dezernent für kulturelle Stagnation, so oder so ähnlich

Die UNESCO soll erste Signale gesendet haben, den Antrag „mit Interesse“ zu prüfen. Allerdings würden die Gutachter darauf bestehen, dass der Leerstand „authentisch erhalten“ bleibe — eine Bedingung, die laut Stadtverwaltung „keinerlei zusätzliche Maßnahmen“ erfordere. „Wir haben in den letzten 16 Jahren absolut nichts getan, um den Leerstand zu bekämpfen“, soll ein Sprecher versichert haben. „Das ist keine Unterlassung — das war vorausschauender Denkmalschutz.“

Pufferzone umfasst gesamtes Stadtgebiet

Wie beim Residenzensemble müsste auch das Leerstandserbe eine Pufferzone erhalten, in der keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Die Stadt soll vorgeschlagen haben, das gesamte Stadtgebiet als Pufferzone auszuweisen — „da der Leerstand ohnehin flächendeckend ist und eine Abgrenzung wissenschaftlich nicht vertretbar wäre“.

Kritiker warnen, ein UNESCO-Schutz könnte künftige Ansiedlungen verhindern. Die Stadtverwaltung soll diesen Einwand als „rein hypothetisch“ zurückgewiesen haben. „In den letzten zehn Jahren hat sich kein einziges Unternehmen ernsthaft in der Schweriner Innenstadt ansiedeln wollen“, hieß es. „Wir schützen hier keine Chance — wir schützen einen Zustand.“

Für den Fall einer Ablehnung durch die UNESCO habe die Stadt bereits einen Plan B: einen Antrag auf Aufnahme ins immaterielle Kulturerbe — unter der Kategorie „Tradition des kollektiven Wegguckens bei strukturellem Verfall“.

Schwerin: Wo der Leerstand das einzige ist, was wächst — und jetzt auch noch unter Schutz steht.

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.