Schwerin. Die Stadtwerke Schwerin haben im Industriepark eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Zehn Hektar groß, 10,27 Megawatt stark, sieben Millionen Euro teuer. Die Anlage kann den Strombedarf von rund 4.000 Haushalten decken — also theoretisch fast ein Fünftel der Stadt versorgen, wenn man die Abwanderung der letzten Jahre berücksichtigt.
Zauneidechsen haben Vorfahrt: Module mit ökologischem Abstandshalter
Besonders stolz ist man auf den Artenschutz: Die Solarmodule sind so installiert, dass „ausreichend Raum für ökologische Habitate“ bleibt. Konkret heißt das: Zauneidechsen haben auf dem Gelände mehr Bewegungsfreiheit als Fußgänger in der Schweriner Innenstadt. Zusätzlich ist eine spätere Schafsbeweidung geplant — Schwerin beweist damit, dass modernste Solartechnik und mittelalterliche Landwirtschaft durchaus koexistieren können.
„Für die Ansiedlung neuer Unternehmen in unserer Stadt ist die Verfügbarkeit von regional erzeugter, grüner Energie ein entscheidender Standortfaktor.“ — Bernd Nottebaum, Dezernent für Bauen, Umwelt und Verkehr
Ein interessanter Standpunkt, wenn man bedenkt, dass der Industriepark Schwerin bisher eher durch seine großzügigen Freiflächen als durch Unternehmensansiedlungen aufgefallen ist. Aber gut: Jetzt stehen wenigstens Solarpanels drauf. Auch eine Form der Flächennutzung.
Ehemaliger Truppenübungsplatz wird Energiepark
Das Gelände war früher ein russischer Truppenübungsplatz. Von sowjetischen Panzern zu Photovoltaik-Modulen — eine Entwicklung, die Schwerin als Metapher für die eigene Stadtentwicklung verstehen könnte: Vom jahrzehntelangen Stillstand zur grünen Zukunft, zumindest auf dem Papier.
Stadtwerke-Geschäftsführer Hanno Nispel kündigt bereits weitere Projekte an. Die Gesellschaft für erneuerbare Energien (GES), ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, habe „weitere Projekte in der Pipeline“. Bei dem Wort Pipeline zucken in Schwerin traditionell alle zusammen, aber diesmal ist nur Solarstrom gemeint.
Wer den erzeugten Strom am Ende nutzt, bleibt abzuwarten. Die 4.000 versorgbaren Haushalte setzen voraus, dass in Schwerin noch 4.000 Haushalte übrig sind, die etwas mit Strom anfangen können. Immerhin: Die Straßenbeleuchtung könnte man damit wieder einschalten.
Bildnachweis: Des Blenkinsopp, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
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