Gesellschaft

Rostocker Informatik-Professorin mit 140.000 Instagram-Followern sicher: „KI kann nichts, was ich nicht besser kann“

Rostock (SIG) – Die Professorin für praktische Informatik Alke Martens (55) hat eine klare Meinung zu Künstlicher Intelligenz: völlig überschätzt. „KI hat bei mir im Alltag nichts verloren, weil sie nichts kann, was ich nicht besser kann“, erklärt sie in einem ihrer fünfmal wöchentlich erscheinenden Instagram-Reels – die mittlerweile von 140.000 Followern geschaut werden. Dass sie damit exakt das tut, was sie kritisiert, nämlich Algorithmen und digitale Plattformen zu nutzen, ist ihr offenbar nicht aufgefallen.

Seit einem Jahr lädt Martens regelmäßig dreiminütige Videos hoch, in denen sie vor den Gefahren von KI warnt. „Ich will den Menschen beibringen, dass es einfach nur ein Stück Software ist“, sagt sie – während sie parallel dazu Instagram-Filter, automatische Videobearbeitung und Algorithmen nutzt, die ihre Inhalte viral gehen lassen. Die Ironie: Ohne die KI-gestützte Content-Empfehlung von Meta hätte vermutlich niemand ihre Videos gesehen.

Die Informatikerin, die an der Universität Rostock das Institut für Informatik leitet, betont: „Ich habe die KI zuletzt vor zwei Monaten benutzt. Ich wollte wissen, wo Hänsel und Gretel wohnen.“ Die Antwort ließ sie offenbar in ihrer Überzeugung bestärken, dass KI nutzlos ist – auch wenn unklar bleibt, welche praktische Relevanz die Wohnsituation von Märchenfiguren für die KI-Forschung haben sollte.

Besonders bemerkenswert: An ihrem eigenen Institut programmieren Kolleginnen und Kollegen spezielle KI-Anwendungen für Schiffbau und Medizin, weil „riesige Datenmengen so besonders schnell bearbeitet werden können.“ Das findet Martens „sinnvoll“ – nur eben nicht für ihren eigenen Alltag. Denn dort kann sie alles besser. Vermutlich auch große Datenmengen im Schiffbau analysieren, Tumoren in medizinischen Bildern erkennen und Wettervorhersagen berechnen. Nur Instagram-Reels schneiden, das überlässt sie dann doch lieber der Software.

„Viele Menschen haben die Sorge, von der KI ersetzt zu werden“, berichtet Martens. Ihre Lösung: Sie nutzt Instagram, TikTok und Social-Media-Algorithmen, um den Menschen zu erklären, dass sie Social Media und Algorithmen nicht nutzen sollen. „Ich werde weiter Sachen erklären, entdramatisieren und klarstellen“, kündigt sie an – fünfmal pro Woche, dreiminütig, perfekt auf die Aufmerksamkeitsspanne der Social-Media-Generation zugeschnitten.

Ihre 140.000 Follower sind übrigens zu 60 Prozent Frauen ab 40 Jahren. Das liegt vermutlich nicht an gezielter KI-Zielgruppen-Analyse von Instagram, sondern daran, dass Martens einfach so sympathisch ist. Oder an ihrem Charme. Oder vielleicht doch am Algorithmus, aber das würde sie ja niemals zugeben.

Ein Sprecher der Universität Rostock bestätigte: „Frau Professor Martens leistet wichtige Aufklärungsarbeit. Dass sie dafür genau die Technologien nutzt, vor denen sie warnt, zeigt nur, wie pragmatisch Wissenschaft heute sein muss.“ Auf die Frage, ob das nicht widersprüchlich sei, antwortete er: „Das würde ich jetzt nicht sagen. Aber ich lasse das lieber von der KI gegenchecken.“

Martens selbst sieht keinen Widerspruch: „Instagram ist keine KI, Instagram ist Social Media!“ Dass die Plattform ihre gesamte Infrastruktur auf maschinellem Lernen aufbaut – von der Content-Moderation über die Empfehlungsalgorithmen bis zur automatischen Bilderkennung – will sie offenbar nicht wahrhaben. Schließlich kann sie das alles auch besser. Nur eben nicht gleichzeitig für 2 Milliarden Nutzer.

Die nächste Folge ihrer Reel-Serie erscheint morgen. Thema: „Warum wir keine Algorithmen brauchen.“ Zu sehen auf Instagram – wo ein Algorithmus entscheidet, wer es sieht.

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