Es war die Nachricht, auf die Schwerin seit der Wiedervereinigung gewartet hat: Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt kam in die Landeshauptstadt. Dorothee Bär höchstpersönlich. In einem Schloss, das normalerweise nur Touristen sehen, die sich auf dem Weg nach Rostock verfahren haben.
Am 18. und 19. Februar tagte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) — zum 59. Mal in ihrer Geschichte und zum vermutlich ersten Mal an einem Ort, den die Teilnehmer erst googeln mussten. Schwerin war Gastgeber. Nicht Berlin, nicht München, nicht einmal Greifswald. Schwerin.
Raumfahrt trifft auf Realität: Kein ICE, aber eine Vision
Die Ironie wollte es, dass ausgerechnet die Ministerin für Raumfahrt in eine Stadt reiste, deren Hauptbahnhof kürzlich zum Haltepunkt herabgestuft wurde. Während in Bärs Ministerium über Mondmissionen und Satellitenkonstellationen debattiert wird, diskutiert man in Schwerin noch, ob der Schienenersatzverkehr nach Hamburg als Fortbewegung oder als Meditation zu klassifizieren ist.
Die GWK befasste sich mit der „Hightech Agenda“ der Bundesregierung und dem „Pakt für Forschung und Innovation“. Außerdem sollten zwei Bund-Länder-Vereinbarungen unterzeichnet werden: eine neue Förderung für Hochschulen für angewandte Wissenschaften und die Gründung eines Netzwerks von Universitätsmedizinen. Schwerin hat bekanntlich weder eine Universität noch eine Universitätsmedizin — aber immerhin den Tagungsraum.
„Mecklenburg-Vorpommern ist in dieser Woche Mittelpunkt der deutschen Wissenschaftspolitik“, erklärte Wissenschaftsministerin Bettina Martin. Insider berichten, dass selbst langjährige GWK-Mitglieder den Satz dreimal lesen mussten, bevor sie sicher waren, dass es sich nicht um Satire handelt.
Schwerin als Wissenschaftsstandort: Die Zahlen sprechen leise
Während andere Landeshauptstädte mit Exzellenzclustern, Fraunhofer-Instituten und Gründerzentren protzen, hat Schwerin — nun ja — das Schloss. Und genau dort saßen nun die klügsten Köpfe der deutschen Wissenschaftspolitik, umgeben von Stuck und Seeblick, und fragten sich vermutlich, warum die WLAN-Geschwindigkeit niedriger war als die Zimmertemperatur.
Die Stadt selbst nahm die Konferenz mit der ihr eigenen Gelassenheit hin. Im Café am Pfaffenteich wurde der Besuch der Raumfahrtministerin beiläufig kommentiert: „Raumfahrt? Wir kommen ja nicht mal nach Hamburg.“ Ein Satz, den die 1.456 täglichen Pendler vermutlich auf T-Shirts drucken lassen würden, wenn sie dafür Zeit hätten.
Ob die GWK nach Schwerin zurückkehrt, ist offen. Bettina Martin betonte die Bedeutung des Standorts. Dorothee Bär lobte die Gastfreundschaft. Und irgendwo im Lehrstuhl für Abwanderungsforschung notierte jemand: „Zumindest für 48 Stunden lag die Bevölkerungszahl über dem Vorjahresniveau.“
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