Es ist so weit: Am Schweriner Marienplatz beginnen die Umbauarbeiten für eine feste Polizeiwache. Ein leerstehendes Restaurant direkt neben dem Einkaufscenter wird zur Dienststelle umgebaut. Innenminister Christian Pegel (SPD) rechnet mit einem Einzug im Sommer 2026. Bis dahin bleibt der Container.
Vom Restaurant zum Revier: Eine Schweriner Karriere
Die Standortsuche hat Monate gedauert. Dass die Wahl auf ein leerstehendes Restaurant fiel, überrascht in Schwerin niemanden. Leerstehende Gastro-Flächen gibt es am Marienplatz schließlich in einer Dichte, die anderen Städten als Gewerbegebiet durchgehen würde. Die Polizei hatte im Grunde die freie Auswahl zwischen Pizzeria, Asia-Imbiss und einer ehemaligen Bäckerei – alle seit Jahren ohne Mieter, alle mit Kachelofen-Charme aus den Neunzigern.
„Wir hatten kurz überlegt, den Container zu behalten. Ist ja auch irgendwie Schwerin: provisorisch, aber dauerhaft.“
So formuliert es ein Beamter, der namentlich nicht genannt werden möchte, aber laut eigener Aussage „seit drei Wintern in dem Ding sitzt“. Der Container, der seit Anfang 2025 auf dem Marienplatz steht, sollte ursprünglich nur wenige Wochen bleiben. Inzwischen hat er eine eigene Geschichte: Graffiti an der Rückseite, eine provisorische Markise gegen den Regen, und laut Anwohnern den gemütlichsten Polizeistützpunkt der Stadt – „weil man nie weiß, ob er gerade besetzt ist oder nicht“.
Videoüberwachung: Jetzt in HD
Von der neuen Wache aus sollen die Überwachungskameras am Marienplatz künftig live ausgewertet werden. Das Kamerasystem wurde bereits im Sommer 2025 aufgerüstet – ein Upgrade, das laut Polizei „deutlich schärfere Bilder“ liefert. Kritiker fragen sich, ob schärfere Bilder allein helfen, wenn das Problem am Marienplatz weniger die Bildqualität ist als die Tatsache, dass dort abends kaum jemand hingeht, der nicht muss.
Der Marienplatz gilt seit Jahren als Kriminalitätsschwerpunkt der Landeshauptstadt. Oder, wie es eine Passantin formuliert: „Der einzige Ort in Schwerin, an dem tatsächlich etwas passiert – leider das Falsche.“ Die seltenen positiven Ereignisse am Marienplatz werden inzwischen wie Naturwunder behandelt.
„Wir werden schneller eingreifen können“, versichert ein Polizeisprecher. Auf die Nachfrage, wie schnell genau, antwortet er: „Schneller als bisher. Das ist nicht schwer.“
Die bisherige Innenstadtwache liegt nur 250 Meter entfernt und wird nach dem Umzug aufgegeben. 250 Meter – in anderen Städten ist das ein Büroumzug. In Schwerin ist es eine infrastrukturelle Großoffensive, die Innenminister und Oberbürgermeister zur gemeinsamen Pressemitteilung bewegt.
Fassade als Vorankündigung
Besonders bemerkenswert: Die Fassade des künftigen Reviers soll bereits als Polizeiwache erkennbar gemacht werden – lange bevor tatsächlich jemand darin arbeitet. In anderen Städten hängt man ein Schild auf, wenn eine Einrichtung öffnet. In Schwerin hängt man es Monate vorher auf, damit sich die Bevölkerung an den Gedanken gewöhnen kann, dass hier demnächst etwas entsteht.
Die Marienplatz-Galerie nebenan nimmt es gelassen. „Solange die Polizei nicht auch noch einen Laden aufmacht, haben wir genug Leerstand für alle“, kommentiert ein Geschäftsinhaber trocken.
Quellen: NDR Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
