Was als ambitioniertes Sanierungsprojekt begann, entwickelt sich zum eindrucksvollsten Langzeitexperiment der Schweriner Verwaltungsgeschichte: Das ehemalige Reichspostgebäude in der Mecklenburgstraße sollte für knapp 50 Millionen Euro zum modernen Verwaltungsstandort der Landesregierung werden. Fertigstellung: Ende 2025. Aktueller Stand im Februar 2026: Der Generalplaner ist weg, ein Fertigstellungstermin existiert nicht, und das Bau- und Liegenschaftsamt teilt mit, man könne „aktuell keine seriösen Aussagen“ zum Abschluss der Sanierung treffen.
Das ist bemerkenswert ehrlich für eine Behörde, die normalerweise jeden Baustopp als „planmäßige Optimierungsphase“ verkauft.
Generalplaner geht, Fachplaner kommen — mehr Köche für denselben Brei
Wie der NDR berichtet, gibt es einen Planerwechsel: Statt eines Generalplaners sollen nun ein Objektplaner und mehrere Fachplaner die Baustelle in der Mecklenburgstraße zum Abschluss bringen. Die Gründe für die Trennung vom Generalplaner? Dazu machte das Liegenschaftsamt keine Angaben. Man „dividiere sich auseinander“, so ein Sprecher — ein Satz, der in jeder anderen Stadt eine diplomatische Umschreibung wäre, in Schwerin aber vermutlich den genauen Ablauf beschreibt.
230 Arbeitsplätze für die Landesverwaltung sind in dem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert geplant. Die Mitarbeiter dürften mittlerweile jünger sein als die Bauplanung.
Das Muster ist Schwerin-Kennern vertraut: Ein Großprojekt wird angekündigt, ein Zeitplan wird kommuniziert, der Zeitplan wird überschritten, ein neuer Zeitplan wird nicht kommuniziert, und irgendwann fragt niemand mehr, weil alle vergessen haben, dass da überhaupt gebaut wird. Die Mecklenburgstraße hat diesen Punkt noch nicht erreicht — aber sie arbeitet hart daran.
50 Millionen Euro und eine Frage: Wohin?
Knapp 50 Millionen Euro waren für die Sanierung veranschlagt. Ob diese Summe noch hält, dazu schweigt das Liegenschaftsamt ebenso wie zum Zeitplan. In Schwerin weiß man: Wenn eine Behörde zu den Kosten nichts sagt, hat das einen Grund — und der Grund ist meistens siebenstellig.
Immerhin: Die Arbeiten gehen laut Amt „im Rahmen der vorhandenen Planungen“ weiter. Das klingt beruhigend, bis man realisiert, dass die vorhandenen Planungen offenbar so schlecht waren, dass man den Planer wechseln musste. Es ist ein bisschen wie die NVS-Straßenbahn-Bestellung: Man bestellt etwas Neues, wartet sehr lange, und am Ende steht das Alte unter Denkmalschutz.
Optimisten in der Landeshauptstadt geben die Hoffnung nicht auf. Pessimisten haben bereits einen Antrag auf Denkmalschutz für die Baustelle selbst eingereicht. Und Realisten sagen: In Schwerin ist eine Dauerbaustelle kein Scheitern — sondern die ehrlichste Form der Stadtplanung.
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