Schwerin hat viele Stärken. Eine etwas schwächere Stärke ist die Wohneigentumsquote. Laut einer aktuellen Auswertung des Pestel-Instituts besitzen nur 18,7 Prozent der Schweriner ihre eigene Wohnung oder ihr eigenes Haus. Der Bundesschnitt liegt bei 43,5 Prozent. Mit anderen Worten: Mehr als vier von fünf Schwerinern wohnen zur Miete – und die Aussichten auf Änderung sind, gelinde gesagt, bescheiden.
18,7 Prozent: Schwerin als Hauptstadt des Mieters
Zum Vergleich: Rostock kommt immerhin auf 15,7 Prozent – womit die Hansestadt Schwerin als Musterbeispiel für städtischen Mieterwahnsinn sogar noch überbietet. Das tröstet wenig, zeigt aber, dass das Problem struktureller Natur ist. Laut Pestel-Institut war Wohneigentum früher durchaus erreichbar: In den 1950er- und 60er-Jahren wurden jährlich rund 110.000 Eigentumsbildner staatlich gefördert. Im Jahr 2024 waren es bundesweit noch knapp 11.600 Maßnahmen – davon lediglich 2.100 Neubauten.
„Die Landeshauptstadt Schwerin ist mit einer Eigentumsquote von nur 18,7 Prozent fast vollständig von der privaten Vermögensbildung durch Immobilien abgehängt.“
Pestel-Institut, zitiert nach KURS-Redaktion, 2026
Ein Rechenbeispiel macht die Lage fassbar: Eine durchschnittliche 90-m²-Wohnung in Schwerin kostet etwa 250.000 Euro. Bei einem mittleren Schweriner Haushaltseinkommen, einer üblichen Sparquote und ohne Erbschaft oder Lottogewinn ist Wohneigentum in der Landeshauptstadt für viele Normalverdiener faktisch unerreichbar. Seit der Abschaffung der Eigenheimzulage 2006 und dem Ende des Baukindergeldes 2021 existiert laut Experten keine wirksame Wohneigentumsförderung mehr.
Abwanderung als Strategie zur Eigentumsbildung
Was bleibt also? Wer in Schwerin Wohneigentum anstrebt, hat im Wesentlichen drei Optionen: Erben, gewinnen oder wegziehen. Letzteres ist ohnehin eine wachsende Tendenz – die Stadt forscht bereits mit einem eigenen Lehrstuhl für Abwanderungsforschung, dessen erster Professor vor Antritt nach Leipzig zog. Und das Jobcenter empfiehlt Bewerbern unter 35 mittlerweile offiziell Hamburg.
Dabei ist Schwerin laut einschlägigen Analysen durchaus eine lebenswerte Stadt – zumindest in der Schelfstadt, dem einzigen Viertel, in dem man wirklich leben will. Wohnen dort – natürlich zur Miete.
Der vollständige Bericht des Pestel-Instituts liegt der KURS-Redaktion vor und wird in Kürze veröffentlicht. Die Botschaft ist bereits jetzt klar: Wohneigentum in Schwerin ist kein verpasstes Ziel. Es ist ein strukturell unmögliches.
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