SCHWERIN – Die Stadt steht vor einem bahnbrechenden Präzedenzfall: Ein geplantes Parkhaus in der Weststadt könnte womöglich die Sichtbeziehung zur denkmalgeschützten Hyparschale „Panorama“ stören. Die Verwaltung prüft nun, ob 120 Parkplätze es wert sind, den „Charakter der städtebaulichen Gesamtanlage“ zu gefährden. Experten warnen bereits vor irreparablen Schäden am historischen Blickfeld.
„Wir sprechen hier nicht von irgendeiner Baulücke“, erklärt ein Sprecher des Fachdienstes Bauen und Denkmalpflege mit ernster Miene. „Hier geht es um geschützte Sichtachsen. Wenn da plötzlich ein Parkhaus steht, könnte das den visuellen Dialog zwischen der Hyparschale und dem Wohnhochhaus nachhaltig beeinträchtigen.“ Dass die Hyparschale seit Jahrzehnten leer steht und eher an eine Ruine als an ein Baudenkmal erinnert, spiele laut Behörde keine Rolle: „Die Denkmalswertbegründung erfolgt unabhängig vom Zustand des Objekts.“
Die Anwohner sind unterdessen gespalten: Während die einen sich über die fehlenden Parkplätze ärgern, hoffen die anderen, dass der Denkmalschutz ihre geliebte Hundewiese rettet. Bürgeraktivist Ronny Alex sammelt bereits 2.000 Unterschriften für einen Einwohnerantrag und verweist auf den erfolgreichen Bürgerentscheid zum Stadtteilpark Lankow. „Wenn die Leute für einen Park kämpfen können, können sie auch für eine Wiese kämpfen“, so Alex.
Die Stadtverwaltung zeigt sich gelassen: „Wir prüfen das selbstverständlich gründlich. Sollte sich herausstellen, dass das Parkhaus die Ensemblewirkung beeinträchtigt, werden wir alternative Standorte evaluieren.“ Alternativvorschläge gibt es bereits: Ein Parkhaus hinter der Sport- und Kongresshalle würde zwar keine Sichtachsen stören, dafür aber einen anderen Park vernichten.
Kritiker fragen sich derweil, ob Schwerin überhaupt noch irgendetwas bauen kann, ohne dass Denkmalschutz, Bürgerprotest oder beides gleichzeitig dazwischenfunkt. „Wir haben hier mehr geschützte Sichtbeziehungen als funktionierende Infrastruktur“, seufzt ein Stadtvertreter. „Aber hey, wenigstens sieht niemand mehr, wie marode alles ist – die Sicht ist ja geschützt.“
Die Entscheidung wird voraussichtlich in einigen Monaten fallen. Bis dahin bleibt die Grünfläche, was sie ist: Eine Hundewiese mit Denkmalschutz-Potenzial.
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